Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Idar e.V.
100 Jahre · 1894 - 1994
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Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Idar e.V.

100 Jahre · 1894 - 1994


 


Herausgeber:
Deutsches Rotes Kreuz Ortsverein Idar e.V.
Schachenstraße 17, 55743 Idar-Oberstein

 

Redaktion und Gestaltung:
Hans Siebenschuh, Ehrenvorsitzender,
Klaus Neumüller, Stephan Emrich

 

Bildmaterial:
Archiv DRK Ortsverein Idar,
Archiv Elisabeth-Stiftung des DRK zu Birkenfeld/Nahe
Wanderausstellung Rotes Kreuz Bereitschaft Bad Bevensen
Archiv Foto Hosser, Idar-Oberstein


 

F e s t s c h r i f t

 

des

D R K Ortsverein Idar e.V.

 

zum

100 jährigen Bestehen

 

1894  -  1994

 


Z u m  I n h a l t

 

Vorwort

Grußwort des Präsidenten des DRK Landesverbandes Rhl. Pfalz

Grußwort des Oberbürgemeisters der Stadt Idar-Oberstein

Grußwort des Vorsitzenden des DRK Kreisverbandes Birkenfeld

Grußwort des ersten Vorsitzenden des DRK Ortsvereins Idar

Gründung und Entwicklung des Idarer Frauenvereins

Pfarrer Heinrich Roth

Der Vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz wird gegründet

Ida Purper

Der Idarer Frauenverein wird vom Vaterländischen Frauenverein übernommen

Der Vaterländische Frauenverein im Ersten Weltkrieg

Der Vaterländische Frauenverein von 1919 bis 1933

Der Vaterländische Frauenverein von 1933 bis 1939

Die Helferinnen des DRK Ortsverein Idar im Zweiten Weltkrieg

Der DRK Ortsverein Idar von 1945 bis 1953

Das Verhältnis des Ortsverein Idar zur Kirchengemeinde Idar in der Zeit von 1946 bis 1955

Die Sanitätskolonne Idar

Entstehung und Entwicklung des Altenheimes Abendfrieden

Berta Veeck

Der Ortsverein Idar von der Mitte der 50er Jahre bis zum

Jahre 1993

Der Aktive Dienst des Ortsverein Idar heute


V o r w o r t

Der DRK Ortsverein Idar feiert im Jahre 1994 sein hundertjähriges Bestehen. Das ist für uns ein wichtiger Anlaß zur Rückschau und zur Besinnung auf seine gegenwärtige Situation, aber auch ein An­laß zum Überdenken der weiteren Vereinsarbeit.

Hundert Jahre sind im Leben eines Ver­eines eine lange Zeit, in der er Höhen und Tiefen durchschritten hat, in der ihm Gutes und Schlechtes widerfahren ist.

Hundert Jahre sind auch eine Zeitspanne, in der die geschichtlichen Ereignisse dieser Periode nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind, sondern ihm vielmehr ihren Stempel aufgedrückt haben, in­dem sie sein Tun und Lassen beeinflußten und mitbestimmten.

Wer sich in die Geschichte des Vereins vertieft, dem wird deutlich, daß sich der Ortsverein Idar im Hinblick auf seine Geschichte und seinen gegenwärtigen Status wesentlich von anderen Ortsvereinen gleichen Alters und gleicher Größe unterscheidet, denn er hat ne­ben seinen vom Roten Kreuz gestellten Aufgaben fünfzig Jahre lang Krankenpflege betrieben und unterhält heute ein Altenheim.

In Kriegs- und Friedenszeiten hat der Verein Vorbildliches gelei­stet. Aber auch von Rückschlägen und Enttäuschungen blieb er nicht verschont.

Die vorliegende Festschrift berichtet von seiner wechselvollen Ge­schichte, um sie dem Leser nahezubringen. Möge sie bei unseren Mitgliedern das Traditionsbewußtsein vertiefen und die Bereit­schaft zur Mitarbeit weiter stärken.

 

Hans Siebenschuh

Ehrenvorsitzender


Grußwort

zum 100jährigen Jubiläum des DRK-Ortsverein Idar

Auf ein Jahrhundert aktive Rotkreuzar­beit blickt in diesem Jahr der Ortsverein Idar zurück. Das runde Jubiläum be­weist die Kontinuität, die den über 1.000 Mitglieder starken Verein kenn­zeichnet und stärkt.

Der DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz schätzt die wertvollen Aktivitäten des Ortsvereins, der sich insbesondere den Herausforderungen in der Altenpflege stellt und früh die ge­sellschaftlichen Belange ernst genommen hat. Für diese Schritte danken wir ihm ganz besonders und hoffen auch in Zukunft auf eine wegweisende Altenarbeit, die in Idar von beiden Säulen des Verbandes, ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern, gleichberech­tigt mitgetragen wird. In einer Zeit, die von sozialen Spannungen und Individualismus geprägt ist, sind die Aktivitäten des Roten Kreuzes sowohl national wie international notwendiger denn je ge­worden. Dies erfordert gemeinsame Ziele, gemeinsame Wege, ein Miteinander in der großen Rotkreuzgemeinschaft, als deren Glied der Ortsverein Idar vorbildlich mitwirkt.

Ich wünsche daher der hiesigen Rotkreuzgemeinschaft, daß alle Aktiven und Förderer in dieser gesellschaftlich wichtigen Zeit der Neuorientierung engagiert die humanitären Ideen des Rotkreuz­gründers Henry Dunant vertreten.

 

Heinz Korbach

Präsident des DRK-Landesverbandes

Rheinland-Pfalz


Grußwort

zum 100jährigen Jubiläum des DRK-Ortsverein Idar

Zum 100jährigen Geburtstag des DRK-Ortsverein Idar e.V. übermittle ich die herzlichsten Glückwünsche von Stadt­rat und Verwaltung der Stadt Idar-Oberstein.

» Unterstützung der verschämten Ar­men und hilfsbedürftigen Kranken «, so wurde sein Gründungsziel in der Ausgabe des Nahe­tal-Boten vom 12. Juni 1894 beschrieben. Um diesem Gedanken des tätigen Helfers, der Unterstützung von Schwachen und Kranken, sind die Frauen und Männer des Ortsvereins Idar bis heute treu geblieben.

Neben den hauptamtlichen Aufgaben, die der Ortsverein im Laufe der Jahre übernommen hat, waren es immer wieder ehrenamtliche tätige Frauen und Männer, die im Geiste von Henry Dunant große Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt vollbrach­ten. Ihnen, die ungenannt oft im Stillen arbeiteten und wirkten, gilt heute unser ganz besonderer Dank.

Ich wünsche dem Ortsverein Idar des Deutschen Roten Kreuzes, daß er seine Arbeit auch künftig kontinuierlich fortsetzen kann und daß sich immer Frauen und Männer finden, die sich dem humanitä­ren Ziel des Verbandes mit dem gleichen Engagement annehmen, wie dies vor ihnen viele unser Mitbürgerinnen und Mitbürger getan haben.

 

Otto Dickenschied

Oberbürgermeister

Grußwort

» Nach lieben ist helfen das schönste Tätigkeitswort der Welt «

Bertha von Suttner

Das Deutsche Rote Kreuz lebt vom Ehrenamt !

Ein Jubiläum tut deshalb gut, um sich an diesen Grundsatz zu erinnern und zu den Ursprüngen, den Wurzeln der Rot-Kreuz-Gemeinschaft zurückzukehren. Gerade der Idealis­mus und unei­gen­nützige Einsatz der Frauen und Männer der »er­sten Stunde« kann uns als Beispiel dienen. Breites ehrenamtliches Engagement, dienen und helfen ist heute genauso notwendig wie vor 100 Jahren.

Der DRK Ortsverein Idar hat sich seit seiner Gründung den gesell­schaftspolitischen Herausforderungen gestellt. Das Wirken der »Frauenvereine«, beispielsweise geprägt von Pfarrer Heinrich Roth, Ida Purper und Berta Veeck, legte den Grundstein für einen aktiven Verein. Der Betrieb eines modernen Altenheimes, vorbildli­ches En­gagement in der Sozialarbeit und lebendige, ehren­amtliche Vereins­aktivitäten prägen diesen Ortsverein bis zum heuti­gen Tage als ein wichtiger Träger und bedeutende Stütze des DRK-Kreisver­bandes Birkenfeld.

Gerne gratuliere ich im Namen des DRK-Kreisverbandes zu dem Jubiläum und danke für die geleistete Arbeit. Ich wünsche dem DRK-Ortsverein Idar auch weiterhin dieses Wirken und Schaffen im Sinne und im Geist der Ziele des Roten Kreuzes.

 

Franz Link

Kreisvorsitzender

Grußwort

zum 100jährigen Bestehen

»Nur was wir für andere tun, be­stimmt den Wert unseres Lebens«

Dieser Ausspruch des großen Denkers Lafontaine beinhaltet wohl am aus­drucksvollsten den Humanitätsgedan­ken, dem das Rote Kreuz dient; und das Wort eines anderen großen Men­schen­freundes »Vieles kann der Mensch entbehren, nur den Menschen nicht« definiert eindring­lich das selbstlose Wirken der zahlreichen Helferinnen und Helfer der wohl größten Humanitäts­einrichtung unseres Jahrhunderts. In einer Zeit, von der viele sagen, daß sie der Selbstsucht, dem Mate­rialismus verschrieben sei, be­weisen die uneigennützigen Helfer einer leidgeprüften Menschheit, daß es noch wahre Menschenliebe und spontane Hilfsbereitschaft gibt. Der Ortsverein Idar ist stolz ein Glied dieser welt­umspannenden Rotkreuzfamilie zu sein.

Ich kann nicht umhin, in diesem  Augenblick des Besinnens, des Rückblickes und der Vorausschau wiederum alle Gutgesinnten zu bitten: Helft mit, Versöhnung und Nächstenliebe in die Welt zu tra­gen, gebt der Idee Dunants euer Herz und eure Tatkraft. Im Goethe-Wort soll unser Lohn liegen:

»Gar selten tun wir uns selbst genug; desto tröstender ist es, an­deren genug getan zu haben!«

 

Robert Heidrich

Erster Vorsitzender


Gründung und Entwicklung des Idarer Frauenvereins

 

 

Im Jahre 1894 gründete der Idarer Pfarrer Heinrich Roth den Idarer Frauenverein. Ziel und Zweck desselben war, wie es der »Nahethal-Bote« in seiner Ausgabe vom 12. Juni 1894 ausdrückte, die »Unterstützung der verschämten Armen und hilfsbedürftigen Kranken«.

 

Die Gründungsversammlung fand am 18. Juni im Schützenhof statt. Dem Vorstand gehörten acht Damen und zwei Geistliche an. Bei seiner Gründung zählte der Verein zweihundert Mitglieder, von deren bescheidenen Beiträgen er seine Tätigkeit finanzierte. Am 15. November 1894 trafen aus dem Mutterhaus in Speyer zwei Diako­nissinen ein und nahmen ihre schwere und verantwortungs­volle Arbeit auf. Die Pflege der Kranken erfolgte kostenlos. Die Besol­dung der Schwestern war kärglich und betrug lediglich dreißig Mark im Monat.

 

Im Laufe der Jahre stieg die Mitgliederzahl des Frauenvereins ste­tig an und war im Jahre 1906 auf 618 Mitglieder angewachsen. Der monatliche Eingang an Mitgliedsbeiträgen betrug damals rund 200 Mark. Im Jahre 1913 gehörten 813 Mitglieder dem Verein an.

 

Für die Schwestern gab es immer mehr zu tun. Wegen Arbeitsüber­lastung wurde eine dritte Schwester eingestellt. Im Jahre 1911 wur­den 440 Kranke gepflegt und 966 Krankenbesuche gemacht. Ein Jahr später erwog man die Einstellung einer weiteren Schwester.


Der Frauenverein erwarb im Jahre 1906 für  18.500 Mark  das  heutige  Haus No 20 in der Kobachstraße. Es wurde als Schwe­sternhaus eingerichtet, in dem die Schwestern eine Bleibe fanden. Das Großherzogliche Staatsministerium gab zu diesem Kauf einen Zuschuß von 8000 Mark.

 

Da die Stadt Idar noch keinen Kindergarten besaß, trug man sich im Jahre 1912 mit dem Gedanken, einen solchen einzurichten. Doch erst im Jahre 1916 konnte dieser Plan durch die Initiative des Vater­ländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz, in dem der Idarer Frauenverein inzwischen aufgegangen war, verwirklicht werden.

 


Pfarrer

Heinrich Roth

 

 

 

Nachfolgend einige Daten aus dem Leben dieses verdienstvollen Mannes, der durch die Gründung und Förderung des Idarer Frauen­vereins viel für die Wohlfahrt in Idar getan hat.

 

Heinrich Roth wurde am 20. November 1854 in Birkenfeld gebo­ren. Er besuchte dort die Volksschule und die Lateinschule und wechselte im Jahre 1867 auf das Gymnasium in Bad Kreuznach über, wo er 1873 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte er in Jena, Straßburg und Berlin Theologie. Die erste Theologische Prüfung legte er im Jahre 1877 und die Theologische Hauptprüfung im Jahre 1879 ab.

 

Ab 01. Oktober 1877 leistete er seinen Militärdienst bei einem Infanterieregiment in Straßburg ab. Anschließend trat er eine Pfarr­stelle in Niederwörresbach an. Im Jahre 1881 übernahm er die zweite Pfarrstelle in Idar. Am 07. Juni 1880 heiratete er Katharina Keller aus Mannheim. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Pfarrer Roth verstarb im Jahre 1915 im Alter von 61 Jahren.


Der Vaterländische Frauenverein wird gegründet

 

Am Mittwoch, dem 27. Mai 1914, wurde in Idar auf Initiative des Idarer Bürgermeisters Dr. Salge der Vaterländische Frauenverein gegründet. Folgende Personen wurden in den Vorstand gewählt:

 

 

Frau Ida Purper

Frau Postdirektor Frühauf

Frau Rudolf Crummenauer

Frau Oscar Becker

Frau Lehrer Mayer

Frau Auguste Schuch

Frau August Fritsch

Fräulein Handarbeitslehrerin Giese

Frau Emilie Dreher

Herr Stadtbürgermeister Dr. Salge

Herr Stadtsekretär Klein

 

 

Dieser Verein, dessen genaue Bezeichnung »Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz« lautete, war am 11. November 1866 von Königin Augusta von Preußen gegründet worden. Über die Ziele  dieses  Vereins  ist in den  Statuten  folgendes zu lesen: »Im Frieden gilt seine Arbeit der Verhütung und Beseitigung sitt­licher, wirtschaftlicher und sozialer Not aller Art, treibt er Kran­kenpflege und bereitet sich auf seine Kriegstätigkeit vor. Im Kriege übt er Fürsorge für die im Felde Verwundeten und Kran­ken und betätigt sich unter Weiterführung seiner Friedensarbei­ten auf allen Gebieten der Kriegswohlfahrtspflege.«


Am 30. Juli 1914 trat der Vorstand zu seiner ersten Sitzung zu­sammen.

 

In ihr wurden gewählt:

 

 

          zur ersten Vorsitzenden:           Frau Ida Purper

          zum Schriftführer:                     Stadtbürgermeister Dr. Salge

          zum Schatzmeister:                   Stadtsekretär Klein

 

 

Zwei Tage später brach der erste Weltkrieg aus. Es ist jedoch kei­neswegs so, daß der Verein angesichts einer drohenden Kriegsge­fahr gegründet wurde, da ja sein Gründungsdatum der 27. Mai 1914 ist. Zu dieser Zeit dachte noch niemand in Deutschland und Europa an Krieg. Der Mord von Sarajewo, der den ersten Welt­krieg auslöste, ereignete sich erst am 20. Juni 1914, also einen Monat später. Trotzdem  berührt es einen seltsam, daß dieser Verein in Idar ausgerechnet kurz vor einem schrecklichen Kriege ins Leben gerufen worden war, vor einem Kriege, in dem es für ihn ein weites und segensreiches Betätigungsfeld geben sollte.


Ida Purper

 

 

Der am 27. Mai 1914 gegründete Vater­ländische Frauenverein vom Roten Kreuz hatte mit Frau Ida Purper eine Persön­lichkeit zur Vorsitzenden gewählt, die in Idar im sozialen Bereich beispielhaft gewirkt hat und deren Leistungen unver­gessen sind. In seinem Aufsatz »Ida Purper, geb. Leyser - Erinnerungen an Idar's ein­zige Ehrenbürgerin« gibt Hans Peter Brandt ein leben­diges Bild von dieser tüchtigen Frau und von den Zeitverhältnissen, in denen sie wirkte. Mit seiner freundlichen Erlaubnis sei aus die­sem Auf­satz Nachstehendes wiedergegeben:

 

»Wir wollen heute einer Frau gedenken, die die heutige Genera­tion jedoch kaum mehr kennt: Ida Purper, geb. Leyser.

 

Sie wurde am 19. September 1847 mittags um 12.00 Uhr als sechstes Kind des Goldschmiedes Johann Philipp Leyser ( 1801 - 1868 ) in Idar geboren. Die Mutter Anna Elisabeth war eine ge­borene Wild ( 1814 - 1892 ). Der Ehe entsprossen insgesamt sechs Mädchen und ein Junge, der jedoch schon im Kindesalter ver­starb. Der Vater verlegte sich bald auf den Schmuckhandel, ob­wohl - wie damals in Idar allgemein üblich - eine umfangreiche Landwirtschaft betrieben wurde. Die Kinder mußten hier wie dort schon frühzeitig mithelfen, den Lebensun­terhalt zu sichern. Das galt sowohl für den Ackerbau als auch für die Geschäftsreisen des Vaters, wodurch Ida Leyser schon frühzeitig die Leipziger Messe kennenlernte.

 

Am 2. November 1871 heiratete sie - gerade 24jährig - den Idarer Schleifer Carl August Purper ( 1838 - 1909 ). Dieser hatte damals zusammen mit seinem Vater Johannes Purper und seinen Brü­dern Louis und Wilhelm eine sogenannte Dampf­schleife gegen­über dem Idarer Friedhof am Idarbach erbaut ( das Gebäude ist heute noch erhalten und dient als Gastwirtschaft ).

 

Durch diese Pionierarbeit wollten die Purpers damals die Achat­schleiferei von der Wasserkraft unabhängig machen. Das Unter­nehmen erwies sich jedoch bald als  ein wirtschaftlicher Fehl­schlag ( Johannes Purper: »Die Kraft ist da, aber es fehlt die Herrlichkeit.« ). Der älteste Bruder Louis Purper ging daraufhin nach Paris und unterhielt bald ein gutgehendes Graveuratelier. Er war ein Tüftler - ein Erfinder, der sich mit vielen Dingen be­schäftigte. So hatte er unter anderem die geniale Idee der Herstel­lung sogenannter Halbperlen. Viele gefaßte Perlen waren in Schmuckstücken ohnehin nur zur Hälfte zu sehen.

Wenn man sie durchsägte, konnte man praktisch echte Perlen zum halben Preis in Schmuck verarbeiten. Daraus wurde bald ein ganz großes Geschäft, das die in Idar verbliebenen Brüder August und Wilhelm zusammen betrieben. Nach einiger Zeit trennten sie sich jedoch und gründeten selbständige Unternehmen.

 

Im Jahre 1883 entstand auf diese Weise die Perlenhandlung August Purper, in der Frau Ida Purper bis 1892 als Miteigentü­merin fungierte. Dies war zur damaligen Zeit keineswegs alltäg­lich. Ida Purper arbeitete auch tatkräftig im Geschäft mit und er­fand sogar das Bleichen von Perlen. Das Familienunterneh­men erlangte bald Weltruf im internationalen Perlenhandel. Der ent­sprechende Wohlstand blieb nicht aus. Als äußeres Zeichen des geschäftlichen Erfolges erbaute das Paar 1894 eines der reprä­sentativsten Idarer Wohnhäuser in der unteren Haupt­straße Nr. 118 ( heute Feldjäger-Dienstkommando ). August Purper be­gleitete in jenen Jahren auch das Amt eines Beischöffen ( =Beigeordneten ) in Idar. Der Familie war der Reichtum jedoch nicht in den Kopf gestiegen. Sobald es die Mittel erlaubten, be­gann Ida Purper in unauffälliger Weise, namhafte Geldbeträge für wohltätige Zwecke zu spenden. Sie betätigte sich außerdem aktiv im Vaterländischen Frauenverein ( heute Deutsches Rotes Kreuz ), dessen Vorsitzende sie bald wurde.

 

August Purper starb nach 37 jähriger glücklicher Ehe im Jahre 1908. Seine Witwe ehrte sein Andenken durch mehrere reiche Stiftungen, die leider in den 20er Jahren durch die Inflation ver­nichtet wurden. Zu jener Zeit entstand übrigens auch die Idarer Friedhofskapelle, die allerdings nicht von ihr, sondern von ihrem Schwager Wilhelm Purper zur Erinnerung an seine früh verstor­bene gleichnamige Tochter gestiftet wurde, was häufig zu Ver­wechslungen führt.

 

Im 1. Weltkrieg wurde in Idar ein Kriegslazarett eingerichtet, das Ida Purper tatkräftig leitete. Sie hörte auch nicht auf, Gutes zu tun, als die geschäftlichen Erfolge ausblieben. Im Jahre 1920 wurde Ida Purper auf Antrag der SPD-Fraktion einstimmig vom Gemeinderat zur ersten und einzigen Ehrenbürgerin der Stadt Idar ernannt.

 

Es war ihr kein ungetrübter Lebensabend beschieden. Von ihren vier Söhnen starben zwei kurz nacheinander im besten Mannes­alter. Das einst so stolze Unternehmen, das schon im Weltkrieg stark gelitten hatte, kam in der Inflationszeit der 20er Jahre völlig zum Erliegen. Durch die Erfindung der Zuchtperlen kam es auf dem Perlenmarkt zu einem totalen Preisverfall. Der Besitz der Familie Purper zerrann. Und doch hörte Ida Purper auch in hohem Alter nicht auf, für die Allgemeinheit rastlos tätig zu sein. Sie fertigte Handarbeiten, deren Erlös für den Vaterlän­dischen Frauenverein bestimmt war. Längst hatte sie der Verein zu seiner Ehrenvorsitzenden gemacht. Sie hat nicht nur ein Ver­mögen an Zuwendungen und Unterstützungen mit vollen Hän­den verteilt, sondern auch durch rastlosen persönlichen Einsatz und Mitar­beit zum Wohle ihrer Mitbürger gewirkt. Ida Purper starb am 26. März 1937 nach langem schweren Leiden im 90. Lebensjahr.

 

Ernst Falz schrieb damals im Idar-Obersteiner Anzeiger: »Mit ihr ist eine seltene Frau dahingegangen, ein Stück guten, alten, auf sich selbst gestellten unabhängigen stolzen Idarer Bürger­tums, eine Persönlichkeit im besten Sinne des Wortes «.

 

1975 beschloß der Idar-Obersteiner Stadtrat, eine Straße nach seiner einzigen Ehrenbürgerin ( im Idarer Aufbaugebiet »In Dellen« ) zu benennen«.

 


Der Idarer Frauenverein wird vom Vaterländischen Frauenverein übernommen

 

 

Am 30. September 1914 fand im Hotel Fürstenberg in Idar unter Anwesenheit von Regierungspräsident Willich eine Zusammen­kunft der Vorstände des Idarer Frauenvereins und des Vaterländi­schen Frauenvereins statt. Auf dieser Zusammenkunft regte Regie­rungspräsident Willich die Vereinigung der beiden Vereine an.

 

Daraufhin trat am 9. Oktober 1914 der Vorstand des Idarer Frau­envereins zusammen und beschloß, dem Vaterländischen Frauen­verein beizutreten. Im Protokoll über diese Sitzung steht unter der Rubrik  »Tagesordnungspunkt«  folgendes zu  lesen : »Antrag des Vorstandes: Der Verein wird dem Vaterländischen Frauen­verein einverleibt«. Eine gute Formulierung; der im Ort ältere und traditionsreichere Verein löst sich auf und übergibt sein Haus und sein Vermögen von 3923 Mark an den Vaterländischen Frauen­verein vom Roten Kreuz, der in Idar erst wenige Monate besteht. Allerdings mußte der Vaterländische Frauenverein die Verpflich­tung übernehmen, die Diakonissenstation zu erhalten.

 

In einem Protokoll des Vaterländischen Frauenvereins vom 10. Oktober 1914 heißt es hinsichtlich der Mitglieder des Idarer Frau­envereins: »Die bisherigen Mitglieder des Frauenvereins sind als Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins zu betrachten«.

 

Ganz so widerspruchslos scheint das jedoch beim Idarer Frauen­verein nicht abgegangen zu sein.

 

Zwar steht in dem bereits zitier­ten Protokoll des Idarer Frauen­vereins vom  9. Oktober 1914 »Das Schwesternhaus und das Ge­samtvermögen in bar gehen nun­mehr in die Hände des Vater­ländischen Frauenvereins über, welcher die Verpflichtung über­nimmt, die Diakonissenstation zu erhalten und die Mitglieder des Frauenvereins als Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins zu betrachten.« jedoch wurde der letzte Teil des Satzes gestrichen, der die Übernahme der Mitglie­der des Idarer Frauenvereins betrifft.

 

Das läßt ebenso auf Mei­nungsverschiedenheiten schließen, wie der im gleichen Protokoll bereits zitierte Ausdruck »einverleibt« die Stimmung wiederzuge­ben scheint, die beim Idarer Frauenverein bei dieser Vereinigung wohl zumindest teilweise geherrscht hat.

 

Überhaupt ist diese Ver­einigung nur so zu erklären, daß sie durch den ungeheuren Druck der damals herrschenden über­schwengli­chen nationalen Begeiste­rung zustande kam.


Der vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz im 1. Weltkrieg

 

Nicht lange nach der Gründung des Vaterländischen Frauenver­eins, die am 27. Mai 1914 stattfand, brach am 1. August des glei­chen Jahres der 1. Weltkrieg aus. Er brachte für den kurz zuvor ge­gründeten Verein eine erste und extrem harte Bewährungsprobe. Obwohl aus der Zeit des ersten Weltkrieges nur 5 Protokolle vor­liegen, wird ersichtlich, daß er diese Herausforderung bestanden und Großes geleistet hat.

 

Bereits am 3. August 1914 wurde vom Vaterländischen Frauen­verein in der heutigen Marktschule das »Vereinslazarett Neue Schule« eingerichtet, welches 65 Betten umfaßte. Frau Ida Purper, die Vorsitzende des Vereins, und der Leiter des Lazarettausschusses, Herr August Brill, forderten in Plakaten die Bevölkerung zu Geldspenden auf. Im Protokoll vom 19.11.1914 heißt es: »Die Verpflegung der Verwundeten und erkrankten Krieger ist kostenlos und wird vom Verein getragen«.

 

Bis zum 15.01.1916 wurden in diesem Lazarett 438 Soldaten ge­pflegt, davon 152 aus nächster Umgebung. Im Lazarett waren 38 Helferinnen tätig. Am Bahnhof Oberstein war eine Verbands- und Krankenerfrischungsstelle eingerichtet worden, an der auch Helfe­rinnen aus Idar Dienst taten.


 


Aufruf an die Idarer Bürger im Jahre1914





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Verwundete und Schwestern auf dem Schulhof der Marktschule

 


Der Verein entfaltete auch eine rege Sammeltätigkeit und große Hilfsbereitschaft im mitmenschlichen Bereich. Nachstehend einige exemplarisch herausgestellte Aktivitäten:

 

Zu Weihnachten 1914 sandte er 689 Pakete mit sogenannten Liebesgaben an die Soldaten an der Front. Am 5. Dezember 1914 wurden sieben große Kisten mit Unterbekleidung an die Abnahme­stelle des 21. Armeekorps nach Saarbrücken geschickt.

 

Nach Ostpreußen, wo die Russen gerade vertrieben worden waren, schickte man 478 Decken und 572 Bekleidungsstücke für die in Not geratene Bevölkerung. Am 14. Juli 1915 wurden 220 Hemden an die Abnahmestelle des 11. Korps gesandt. Am 26. Oktober 1915 sammelte der Verein 1072 Gläser und Konserven mit Früch­ten. Zehn Kisten mit Fruchtkonserven gingen an das 21. Armee­korps und 120 Gläser an das Lazarett im städtischen Krankenhaus. Am 20.11.1915 wurden 596 Pakete mit Liebesgaben der Sammel­stelle des 11. Armeekorps übergeben. Zu Weihnachten 1915 erhielten 67 Kinder von gefallenen Idarer Familienvätern je ein Sparbuch mit jeweils 100 Mark.

 

Des weiteren tätigte der Verein zahlreiche Geldspenden, z. B.

 

 

 

                            für die U-Boot-Mannschaften,

                            für die erblindeten Soldaten,

                            für den roten Halbmond ( Türkei ),

                            für die Beschaffung von Sanitätshunden

                            und für vieles andere


Ferner war der Verein an vielen Sammlungen beteiligt, z.B.

 

                            an der Wollsammlung,

                            an der Metallsammlung,

                            an der Früchtesammlung,

                            an der Korksammlung

                            und an zahlreichen anderen

 

 

Über die Aktivitäten des Vereins in den Jahren 1916, 1917 und 1918 liegen keine Angaben vor. Doch muß man davon ausgehen, daß man auch in diesen Jahren große Anstrengungen unternom­men hat. Die Not und die durch den Krieg hervorgerufene Unruhe ließen wohl keine Zeit für ausführliche Protokolle und Berichte.


Der Vaterländische Frauenverein von 1919 bis 1933

 

Das Ende des ersten Weltkrieges bedeu­tete keineswegs auch das Ende des Vater­ländischen Frauenvereins. Viel­mehr überstand er diese nationale Ka­tastrophe scheinbar unbeschadet; denn am 15.10.1919 hielt der Verein seine 1. Ge­neralversammlung nach dem Kriege ab.

 

 

Frau Wild

Am  27. 01. 1921 legte die langjährige erste Vorsitzende, Frau  Ida Purper, ihr Amt nieder. Als neue Vorsitzende wurde Frau Hermann Wild gewählt, die dieses Amt am 25.09.1925 zur Verfü­gung stellte. An ihre Stelle trat wieder als Vor­sitzende - trotz ihres  hohen Alters - Frau Purper, die von Frau Leyser tatkräftig un­terstützt wurde. Diese wurde im Jahr 1931 zur zweiten Vorsitzenden gewählt.

 

Man ist erstaunt, wenn man liest, auf welch zahlreichen Gebieten der Ortsverein tätig war. Da war zunächst die Krankenpflege, die von Diakonissinen ausgeübt wurde. Diese Schwestern wurden aus Mitteln des Ortsvereins unterhalten und waren im Vereinshaus untergebracht. Im Jahr 1922 wurde der Verein auf dem Gebiet der Säuglingspflege und der Tuberkulosefürsorge tätig, bei der man Kindern Solbäder verabreichte und sie mit Höhensonne behandelte.

 

Um die Belange der sogenannten. Kinderschule ( Kindergarten ), die schon seit 1916 bestand, bemühte man sich eifrig und unter­stütze die Schwestern nach Kräften, z.B. bei der Vorbereitung und Durchführung kleiner Feste und sonstiger Vorhaben. Es standen den Schwestern der Kinderschule ständig Vorstandsmitglieder mit Rat und Tat zur Seite. Die Finanzierung der Kinderschule lag in den Händen des Vaterländischen Frauenvereins.

 

Es wurden ferner gut besuchte Näh- und Kochkurse sowie Bügel- und Plättkurse durchgeführt. Der Verein besaß zwei Singer- und eine Pfaff‑Nähmaschine.

 

Überdies wurden sogenannte Samari­terinnen‑Kurse abgehalten. In diesen bildete man junge Mädchen, die mindestens 18 Jahre alt waren, an 20 Abenden im Sanitätswe­sen aus. Dabei führte man bereits den Film »Erste Hilfe bei Un­glücksfällen« vor. Nach be­standener Prüfung erhielten die Teil­nehmerinnen Broschen und Urkunden. Die Kurse wurden von Dr. Fischer, dem bekannten Chirurgen des Obersteiner Kranken­hauses, geleitet. Dazu sei be­merkt, daß Dr. Fischer zuerst im Kran­kenhaus Idar tätig war, be­vor er nach Oberstein wechselte.

 

In den Notzeiten nach dem ersten Weltkrieg war der Vaterlän­dische Frauenverein aktiv bei der Quäkerspeisung tätig. Die Quäker, eine amerikanische Sekte, sandten damals Lebensmittel nach Deutschland. In Idar wurden 171 Kinder verpflegt.

 

Bei der sogenannten Franzosenküche half der Vaterländische Frauenverein ebenfalls mit. Die Akten geben keinen näheren Auf­schluß über diese Einrichtung. Doch muß angenommen werden, daß die französische Besatzung Lebensmittel zur Speisung armer Kinder zur Verfügung stellte, die in einer Küche zubereitet und ausgegeben wurden. In der Weltwirtschaftskrise, die Anfang der dreißiger Jahre ihren Höhepunkt erreichte, organisierte der Vater­ländische Frauenverein eine Schulkinderspeisung, die im Oktober 1931 anlief.

 

Unter anderem sammelte die Sanitätskolonne in den umliegenden Ortschaften Kartoffeln, die der Küche zur Beköstigung von 105 Kindern zur Verfügung gestellt wurden. Ab Februar 1932 wurden auch alte und alleinstehende Menschen gegen ein Entgelt von 20 Pfennigen aus dieser Küche verpflegt.

 

Ferner vermittelte der Vater­ländische Frauenverein für arme Kinder einen Mittagstisch bei wohlhabenden Familien. Überdies wurden an Bedürftige Schuhe und Kleider ausgegeben. Ein weite­res Betätigungsfeld des Vaterländischen Frauenvereins waren die Kinderverschickung und die Müttererholung. Meistens wurden die Kinder vor ihrer Ver­schickung neu eingekleidet.

 

Langjährige Hausangestellte wurden vom Verein durch Überreichung einer Brosche geehrt. Um einen Begriff von der Viel­seitigkeit der Arbeit des Vereins zu bekom­men, sei nachstehender Auszug aus einem Sitzungsprotokoll vom 22. Januar 1932 wieder­gegeben:

 

» Die Neueinrichtung der Kommissionen ergibt folgendes Bild:

 

1.  Schwesternkommission: Frau Ida Purper, Falz, Wild, Klar    und Artur Purper;

 

2.  Säuglingskommission: Frau Otto Leyser, Rudolf Leyser, Klar,          Weichel und Frl. Veeck;

 

3.  Kinderschulkommission: Frau Gillmann, Dr. Schmidt, Dilli            und Frl. Glander;

4.  Winterhilfskommission: Frau Wild, Zwetsch, Artur Purper, Risch und Frl. Veeck;

5.  Kleiderverteilungskommission: Frau Wild, Zwetsch, Artur    Purper, Rudolf Leyser, Gillmann und Risch;

 

6. Nähabende: Frau Artur Purper, Falz, Zwetsch, Frl. Glander             und Frl. Schneider;

 

7.  Vergnügungskommission: Frau Dilli, Risch, Weichel, Frl.    Veeck und Frl. Glander;

 

8.  Wohlfahrtausschuß: Frau Otto Leyser und Frau Zwetsch      und als Stellvertreterin Frau Schmidt und Frau Weichel.«

 

Soweit der Auszug. Alle aufgeführten Damen gehörten dem Vor­stand an.

 

Auffallend ist die enge Zusammenarbeit des Vaterländischen Frauenvereins mit der Behörde, der Regierung und den örtlichen Vereinen. Zuschüsse wurden von der Stadtbürgermeisterei und von der Regierung für die Vorhaben des Vaterländischen Frauen­vereins, z.B. für eine Kinderspeisung, gegeben.

 

 Erfreulich war auch das gute Verhältnis, das der Verein zu Bürgermeister Schmidt hatte, der ihn immer nach besten Kräften unterstützte.

 

Erstaunlich war die Hilfsbereitschaft, die die Vereine gegenüber dem Vaterländischen Frauenverein zeigten. So gab der Gesang­verein Germania ein Konzert zugunsten des Vaterländischen Frauen­vereins. Der Musikverein stand nicht nach. Die Damenriege des Turnvereins wirkte bei Veranstaltungen, z.B. bei der Jahres­versammlung, durch Vorführungen mit. Am so bezeichneten Blu­mentag des Vereins stellten sich Gesangsverein und Musikverein mit Gesang und Musik kostenlos zur Verfügung. Der Geflügel­zuchtverein leistete mehrmals beträchtliche Eierspenden für die Schwestern.

Selbst der Besitzer der Schwan‑Lichtspiele spielte für den Verein durch die Vorführung des Films »Zum Gipfel der Welt« 110 Mark ein.

 

Das alles war nur möglich, weil der Verein ein Teil der öffentlichen Wohlfahrtspflege war und in der damali­gen Zeit einen sozialen Faktor ersten Ranges darstellte.

 

Der Ortsverein hatte Anfang der zwanziger Jahre große finanzielle Sorgen. Die Lage war so schlecht, daß man fürchtete, die Schwestern­station nicht halten zu können. Man trat deshalb mit der Kirchengemeinde Idar in ernsthafte Verhandlungen mit dem Ziel, Schwesternhaus und Krankenpflege wieder unter die allei­nige Obhut der Kirche zu stellen. Diese war zur Übernahme bereit, stellte jedoch die Bedingung, daß die Stadt Idar und der Vaterlän­dische Frauenverein jährliche einen Zuschuß zur Unterhaltung der Schwesternstation geben sollten.

 

Nur durch die moralische Unterstützung des Stadtrates und des Bürgermeisters Schmidt, der an den Verein appellierte, die Schwesternstation fortzuführen und hierfür die Mitgliederbeiträge drastisch zu erhöhen, »da man in Idar zu dieser Zeit gut Geld ver­diene«, nahm man von den Übergabeplänen schließlich Abstand.


Nachstehend eine Übersicht über die Beitragshöhe in den einzel­nen Jahren:

                                      1919 :              3 Mark

                                      1921 :            10 Mark

                                      1922 :            24 Mark

                                      1923 :          500 Mark       im 1. Halbjahr.

                                                   200.000 Mark       im 2. Halbjahr.

 

In dem sprunghaften Anstieg des Beitrags im Jahre 1923 wird deutlich, wie die Inflation die Beitragshöhe beeinflußte.

 

Die Zahl der Mitglieder hielt sich in all den Jahren einigermaßen konstant, wie die folgenden Zahlen verdeutlichen:

 

                                      1923 :        1426 Mitglieder

                                      1927 :        1398 Mitglieder

                                      1929 :        1393 Mitglieder

                                      1930 :        1380 Mitglieder

                                      1931 :        1325 Mitglieder

 

In den leicht rückläufigen Zahlen der Jahre 1930 und 1931 wird der Einfluß der Weltwirtschaftskrise erkennbar. Da die Beiträge nicht immer so eingingen, wie es wünschenswert war, stellte man im Jahre 1928 eine Kassiererin ein, die mit 6 Prozent an den eingezo­genen Beiträgen beteiligt war. Im Jahre 1929 erhöhte sich diese Be­teiligung auf 7 Prozent.

 

Da sich das Schwesternhaus in der Kobachstraße nach der im Jahre 1928 eingestellten vierten Schwester als zu klein erwies, er­warb man in der Moltkestraße ( heute Schachenstraße ) das Emil Rink' sche  Haus zum Preis von 44.100 Mark und kaufte gleich­zeitig die angrenzenden Bauplätze der Herrn Arnold, Wild und Berger hinzu. Eine Hypothekenaufnahme, Zuschüsse und ein zins­loses Darlehen machten die Erwerbung möglich. Das eigene Haus in der Kobachstraße brachte beim Verkauf 20.000 Mark ein.

 

Nun konnten die vier Schwestern problemlos untergebracht wer­den. Im Kellergeschoß des neuen Hauses wurde ein Saal eingerich­tet, den man im Jahre 1935 auf seine heutige Größe er­weiterte. Ferner wurden Toiletten eingebaut, und neben dem Haus legte man einen Spielplatz an. Anfang 1929 zog der Kindergarten, der sich damals in der Bismarckstraße befand, in das neu erworbene Haus um.

 

Beim Lesen der alten Protokolle fällt der eigentümliche und sicher einmalige Charakter des Vereins auf. Er war in Fortführung der Tradition des Idarer Frauenvereins ein Krankenpflegeverein und der evangelischen Kirche eng verbunden. In den dreißiger Jahren gehörte Pfarrer Lueg sogar dem Vorstand an. Sicherlich bestand diese enge Verbindung zur Kirche bei anderen Rot-Kreuz-Gemein­schaften nicht oder war zumindest sehr selten.

 

Zum anderen war man ein Vaterländischer Frauenverein, ein Ver­ein, der von einer preußischen Königin ins Leben gerufen wurde und der sich den Traditionen eines Fürstenstaates, den Deutschland bis zum Jahre 1918 darstellte, eng verbunden fühlte.

 

Als die letzte deutsche Kaiserin Augusta Viktoria 1921 starb, überwies man als Kranz­spende 100 Mark an den Vaterländischen Frauenverein der Rhein­provinz. Langjährige Hausangestellte er­hielten das Kaiserin-Viktoria-Gedenkblatt. Man dachte national; denn man war ja ein Vaterländischer Frauenverein.

 

Die übernationale Idee des Roten Kreuzes stand zu dieser Denk­weise und Geisteshaltung in einem gewissen Gegensatz. Man war unausgesprochen in erster Linie ein vaterländischer Verein und erst in zweiter Linie eine Einrichtung des Roten Kreuzes. Als die Fürstin von Wied, die Leiterin des Vaterländischen Frauenvereins in der Rheinprovinz, im Jahre 1923 den Vaterländischen Frauen­verein in Idar besuchte, regte sie an, am Schwesternhaus und am evangelischen Vereinshaus Schilder mit dem Roten Kreuz und ent­sprechenden Anschriften anbringen zu lassen. Die führenden Damen gehörten den besseren Kreisen der Idarer Gesellschaft an.

 

Ohne Zweifel war der Vaterländische Frauenverein vom Roten Kreuz in der Zeit von 1919 bis 1933 hinsichtlich seiner Mitglie­derzahl und seiner vielfältigen und segensreichen Tätigkeiten aber auch im Hinblick auf sein Ansehen und seinen Einfluß auf einem Höhepunkt angelangt, der von ihm nachher nicht mehr er­reicht wurde. Durch die Bildung einer Sanitätskolonne im Jahre 1928 ge­wann das Rote Kreuz in Idar noch mehr an Boden.


Der Vaterländische Frauenverein von 1933 bis 1939

 

Da bis zum Jahre 1938 die Arbeitsgebiete des Vaterländischen Frauenvereins die gleichen blieben wie in den zwanziger und dreißiger Jahren und es auch an Veränderungen rein äußerlicher Art nichts Wesentliches zu berichten gibt, soll vor allem über das Ver­hältnis des Vaterländischen Frauenvereins zum Nationalsozia­lismus und über dessen Einfluß auf den Vaterländischen Frauen­verein berichtet werden.

 

Frau Leyser

Zunächst sei vermerkt, daß Frau Maria Leyser laut Protokoll vom 15.04.1935 im Jahre 1935 den Vorsitz im Verein übernahm. Frau Purper blieb dem Ver­ein als Ehrenvorsitzende erhalten.

 

In den dreißiger Jahren befand sich der Verein in einer schwierigen Lage. Hitler war am 30. Januar 1933 Reichskanzler geworden. Rücksichtslos wurden von ihm Ziele des Nationalsozialismus durchge­setzt. Die Welle der sogenann­ten Gleich­schaltung ging über Deutsch­land hin­weg. Sie machte auch vor dem Roten Kreuz nicht halt. Nach und nach mußte der Vaterländische Frauenverein ein Arbeitsfeld nach dem anderen an Organisationen der NSDAP abtreten und wurde immer mehr zur Verwirklichung der Ziele des Nationalsozialismus einge­setzt, in­dem ihm im Zuge der Aufrüstung der forcierte Ausbau des Sani­tätswesens als einziges Arbeitsfeld zugewiesen wurde, in dem er als Verein noch tätig werden durfte.

 

Bereits im April 1933 erging nachstehendes Schreiben der Fürstin zu Wied an die Gruppen des Vaterländischen Frauenvereins:

 

»Die am 30. Januar vom Herrn Reichspräsidenten von Hinden­burg eingesetzte Regierung ist durch den Ausgang der Wahlen am 5. März ds. Js. von der Mehrheit des deutschen Volkes bestä­tigt worden. Diese Zustimmung hat eine neue Stär­kung erfahren durch die machtvolle Kundgebung am Geburts­tage des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler. Somit ist auch der Weg gezeichnet, den die vaterländischen Frauenvereine vom Roten Kreuz zu ge­hen haben. Dem Zweck des Vereins entspre­chend, der von seiner Gründung an satzungsmäßig festgelegt ist, sind wir gebunden, uns fest hinter die Regierung zu stellen, mit deren Behörden wir durch unsere Arbeit in engster Verbindung stehen. Das bedingt notgedrungenermaßen, daß wir uns ihren Verordnungen fügen, auch da, wo sie im einzelnen weniger ver­ständlich oder hart er­scheinen mögen. Demzufolge ist es nicht mehr tragbar, wenn wir Juden in unseren Vorständen haben, wenngleich wir ihre bishe­rige Mitarbeit und Opferwilligkeit stets dankbar anerkennen wer­den. Die Begrenzung der leitenden Stellen und Vorstände auf Personen arischer Herkunft folgert aus Billigkeitsgründen, daß in Zukunft Mitgliedsbeiträge von Juden nicht mehr gefordert werden sollen und sie auch zu Ver­sammlungen der Vaterl. Frauenvereine vom R. K. nicht mehr eingeladen werden. Damit wäre ihre Mitgliedschaft als erloschen anzusehen. Den Vorsitzenden der Zweigvereine wird anheim gestellt, in mildester Form das Ziel zu erreichen und die schul­dige Dankbarkeit für langjährige Dienste nicht außer acht zu lassen.

Diese Maßnahme folgert nicht im geringsten eine andere Ausle­gung des Rotkreuz-Gedankens, denn das Rote Kreuz betreut nach wie vor Menschen, die sich in gesundheitlicher, sittlicher oder wirtschaftlicher Not befinden und kennt hierin keine Unter­schiede des Standes, noch der Partei oder der Konfession, im Kriege selbst die nicht der Nationalität.«

 

Ob sich Juden im Vaterländischen Frauenverein Idar befanden, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Nach Aussage von Frau Elsbeth Schmidt befanden sich keine Juden im Vaterländischen Frauenverein Idar.

 

Wie aus einer Sonderausgabe der Zeitschrift des Vaterländischen Frauenvereins »Unsere Arbeit« hervorgeht, unterstellte sich im Mai 1933 der Vaterländische Frauenverein Deutschlands bedin­gungslos der Führung Adolf Hitlers und gliederte sich als Mit­gliedsverein des Deutschen Roten Kreuzes der Deutschen Frauen­front ein.

 

Von einer Einholung der Zustimmung des Verwaltungs­rates und der Mitgliederversammlung zu dieser Entscheidung des Hauptvor­standes des Vaterländischen Frauenvereins unter Leitung der Gräfin von Groden wurde wegen der, wie es heißt »durch die Zeit­verhältnisse gebotenen Eile« abgesehen.

 

In dem Protokoll der Vorstandsitzung vom 27. Juni 1933 steht fol­gendes:

 

»Die 2. Vorsitzende berichtet über den Antrag der NSDAP-Frauenschaft in der Angelegenheit der Gleichschaltung und über die Verhandlungen, die sie darüber mit der Führerin der Frauenschaft gehabt hat. Sie verliest einen Brief der Fürstin zu Wied, aus dem hervorgeht, daß z. Zt. die Satzungen des Roten Kreuzes geltend sind, daß zwar neue Satzungen in Vorbereitung sind, jedoch nicht vor Ende des Jahres zu erwarten seien; das Verlangen der NS-Frauenschaft auf einen fünfzigprozentigen Anteil am Vorstand sei unberechtigt, es werde aber die Zuwahl nationalsozialistischer Mitglieder empfohlen, wobei daran fest­zuhalten sei, daß mitarbeitende Persönlichkeiten gewonnen werden.«

 

In Fortführung des Protokolls heißt es dann an anderer Stelle:

 

»Aufgrund dieser Unterlagen beschließt der Vorstand, die Führerin der NS-Frauenschaft zu ersuchen, mehrere Frauen namhaft zu machen, die gewillt sind, im Vorstand des Frauen­vereins mitzuarbeiten; Vorausgesetzt wird, daß sie Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins sind.«

 

 Die Wohltätigkeitsarbeit des Vaterländischen Frauenvereins ge­schieht nun im Auftrag und im Dienste der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt ( NSV ). Im Protokoll über eine Vorstandsitzung vom 30. Oktober 1933 heißt es:

 

»Der Präsident des Roten Kreuzes hat an die Mitgliedsvereine ein Rundschreiben ergehen lassen über die Vereinbarungen, die mit dem Reichsführer des WHW ( Winterhilfswerk ) und Reichs­hal­ter der NS-Volkswohlfahrt Hilgenfeld getroffen worden sind. Das Schreiben wird bekannt gegeben.«

 

 Weiter heißt es an anderen Stelle dieses Protokolls:

 

»Die Mitarbeit des Frauenvereins aus Idar am WHW ist in die Wege geleitet. Der Frauenverein wird stark in Anspruch ge­nommen ( Küche ab 1. Dezember ). Das WHW wird seinerseits dem Frauenverein Mittel zur Verfügung stellen, so das Brenn­material für das Schwesternhaus, eventuell den Ertrag einer Sonntagsveranstaltung.«

Im Protokoll vom 10. November 1933 heißt es:

 

»Es folgt die Bekanntgabe eines Schreibens vom Vorsitzenden des Roten Kreuzes, in dem auf die Wahlen am 12. November aufmerksam gemacht wird. Frau Leyser fordert die Vor­stands­mitglieder auf, ihrer Wahlpflicht zu genügen und ›ja‹ zu sagen zu der jetzigen Regierung«.

 

Im Jahre 1934 erhält das Deutsche Rote Kreuz eine neue Satzung, die im Geiste des Nationalsozialismus abgefaßt ist.

 

In einem Vereinsprotokoll vom 6. Januar 1936 ist folgendes zu lesen:

 

»Auf eine Anfrage unserer Vorsitzenden wird von Neuwied fol­gendes geschrieben: 'Es ist nicht Pflicht eines Rotkreuzmitglie­des, auch die Mitgliedschaft der NS-Frauenschaft zu erwerben, wohl aber ist es wünschenswert, daß auch Rotkreuzmitglieder der Frauenschaft angehören, sofern sie in der Lage sind, die doppelten Beiträge zu bezahlen. Die Aufnahmegebühr der Frauenschaft kommt bei Mitgliedern des Roten Kreuzes in Weg­fall.'«

 

Ganz offensichtlich ist es damals zwischen den Frauen des vater­ländischen Frauenvereins in Idar und der dortigen NS-Frauen­schaft zu Meinungsverschiedenheiten gekommen.

 

Wahrscheinlich drängte die Führung der NS-Frauenschaft die Damen des Vorstan­des, der NS-Frauenschaft beizutreten. Das Verhältnis der Vor­standsmitglieder zum Nationalsozialismus war nicht ganz unge­trübt.

 

So forderte die Vorsitzende laut Protokoll vom 8. Juni 1936 auf, die Parteiversammlungen zahlreicher als bisher zu besuchen. Wahr­scheinlich hatte sie bei dieser Aufforderung dem Druck der Partei nachgegeben. In einem Zeitungsbericht, der 1936 anläßlich eines in Idar beim Vaterländischen Frauenverein gehaltenen Vor­trags über Elsa Brandström geschrieben wurde, heißt es:

 

»Ein Dankeswort der Vorsitzenden Frau Leyser beendet mit einem Sieg-Heil den ernsten und erhebenden Abend.«

 

Weitere Beispiele dieser Art lassen sich in den Protokollen finden. Ganz gewiß darf man das nicht überbewerten und daraus schließen, daß die Damen des Vorstandes fanatische National­sozialisten ge­worden waren. Sie hatten sich, dem äußeren Druck und dem Zug der Zeit folgend, nach außen hin angepaßt. Wohin die Entwicklung einmal gehen würde, ahnten sie damals nicht.

 

Im Jahre 1937 wurde der Vaterländische Frauenverein in das Deutsche Frauenwerk eingegliedert. Er verlor dadurch noch mehr an Selbständigkeit und mußte überdies neue Pflichten auf sich nehmen. Im Protokoll einer Vorstandsitzung vom 1. März 1937 wird auf diese Tatsache hingewiesen, wenn es heißt:

 

 »Die Organi­sation Deutsches Frauenwerk hält von nun an alle paar Wochen einen Pflichtabend ab. Die Frauenvereine vom Roten Kreuz sind dem Frauenwerk angegliedert und somit ver­pflichtet, an den Abenden teilzunehmen. Dies gilt nicht nur für die Vorstands­frauen, vielmehr sollen alle Mitglieder zur Teil­nahme aufgefor­dert werden. Der erste Pflichtabend findet am 4. März abends 1/2 9 Uhr im Saalbau statt .«

 

Im Jahr 1937 wurde dem Vaterländischen Frauenverein die Säug­lingsfürsorge entzogen und an die NSV übertragen. Im fol­genden Jahr mußten auch der Kindergarten und die Kranken­pflegestation an die NSV abgegeben werden.

 

Am 1. Oktober 1938 wurden die Diakonissinen in das Mutterhaus nach Speyer zurück­berufen. Sie erhielten als Abschiedsgeschenke Bilder mit Ansich­ten von Idar. An ihre Stelle traten sogenannte Braune Schwestern.

 

Anfang des Jahres 1938 wurde das Rote Kreuz dem Sanitätswesen der Wehrmacht unterstellt. Es hatte nur noch die Aufgabe, den Be­reitschaftsdienst auf- und auszubauen mit dem Ziel, für den Kriegs­sanitätsdienst bereit zu sein. Das Rote Kreuz wurde um­organisiert. Im ganzen Reich wurden sogenannte Landesstellen eingerichtet. Der Ortsverein Idar gehörte zur Landesstelle 12 in Darmstadt.

 

Diese Entscheidung hatte auch für unseren Ortsverein einschnei­dende Konsequenzen; denn im Zuge der Umorganisation des Roten Kreuzes wurde der Vaterländische Frauenverein im Vereinsregister gelöscht. In der Praxis handelte es sich nur um eine Namensände­rung. Der Vaterländische Frauenverein nannte sich von nun an Ortsgemeinschaft Idar. Sonst blieb alles beim alten.

 

Da die Herstellung der Bereitschaft für den Kriegsdienst Ziel der Arbeit des Roten Kreuzes geworden war, ist es nicht verwunder­lich, wenn man im Protokoll vom 10. Oktober 1938 folgendes liest:

 

»Im Laufe der letzten Septemberwoche wurde aus dem gesamten Kreisgebiet die von den einzelnen Ortsgemeinschaften angefer­tigte Bereitschaftswäsche an unsere Ortsgemeinschaft abgeführt und im Rotkreuzhaus deponiert. Im Sinne der letzten Führerrede in Saarbrücken, wonach die allgemeine Aufrüstung festgesetzt werden soll, wird auch unsere Ortsgemeinschaft den Wäschebe­stand der Bereitschaft nach und nach vervollständigen.«

Etwas wie Wehmut schwingt zwischen den Zeilen, wenn man im Sitzungsprotokoll vom 16. Januar 1939 lesen kann:

 

»Manch lieb gewordene Einrichtung  wie die Schwesternstation, der Kindergarten, die Säuglingsfürsorge und andere mehr mußten aufgrund von Verordnungen an die NS-Volkswohlfahrt abgegeben werden. Diese  Einrichtungen  hatte  der Vaterländische Frauenverein - das jetzige Rote Kreuz - ins Leben gerufen und großgebracht. Mit Stolz kann das Rote Kreuz auf diese Arbeitsgebiete zurückblicken, die vielen Menschen eine große Hilfe waren und die nunmehr unter Leitung des NSV weiter segensreich bestehen werden. Unsere Arbeit besteht nun darin, den Auf- und Ausbau des Sanitätswesens zu organisieren.«

 

Diese Arbeit leistete Berta Veeck, die im Jahre 1935 die Arbeit als Gruppenführerin übernommen hatte. Am 31. August 1939 wurde sie zur DRK-Hauptführerin ernannt. Einen Tag danach brach der zweite Weltkrieg aus.


Die Helferinnen des DRK Ortsvereins Idar im 2. Weltkrieg

 

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges erhielten dreißig Helferinnen des Ortsvereins Idar ihren Stellungsbefehl. Sie mußten sich im Kran­kenhaus in Idar-Oberstein melden. Hier hatte man eine Lazarettab­tei­lung eingerichtet. Aber es fehlte zunächst an Arbeit.

 

Im Kreis waren bei Ausbruch des Krieges 35 Rettungswachen und in Idar-Oberstein und Freisen Krankensammelstellen mit je 80 Betten eingerichtet worden. Sie betreuten die aus dem Saargebiet Evakuierten und halfen bei deren späteren Rückführung mit.

 

Als am 10. Mai 1940 der Westfeldzug begann, bekamen die Hel­ferinnen der Lazarettabteilung sehr viel Arbeit. Frau Maria Leyser, die damalige Vorsitzende des Ortsvereins, schreibt dazu:

 

»Manch trauriger Transport aus Ost und West, schmutzig und blutig, kam dorthin mit den Lazarettzügen, und ich darf sagen, daß ich manchmal stolz war auf unsere Helferinnen, wie tapfer und ungeniert sie bei ihren Hilfeleistungen und bei der Pflege waren.«

 

Während des Krieges wurden immer mehr Helferinnen in Kursen ausgebildet. Im ganzen waren 56 Helferinnen im Außendienst tätig, davon 16 in deutschen Lazaretten und 11 als Hilfsschwestern im Feld. Es ist sehr informativ zu erfahren, wo und wie man diese noch sehr jungen Frauen damals einsetzte. So kam die Helferin Erna Keßler in Paris bei der Dienststelle des Sonderbeauftragten für Frankreich zum Einsatz. Etliche waren in Soldatenheimen, auf Bahnhöfen und in der Bunkerbetreuung - z. B. in Berlin - tätig. Vier Helferinnen arbeiteten in Soldatenbuchhandlungen. Für diese Tätigkeit hatte man sie besonders ausgebildet.

Einige taten als Zugbegleiterinnen Dienst in Zügen, in denen Arbeitskräfte aus den besetzten Gebieten nach Deutschland zur Zwangsarbeit gebracht wurden, ein Einsatz, der nicht sonderlich beliebt war. Eine Helferin arbeitete als Desinfektorin, eine andere war Fahrerin eines Krankenwagens.

 

Besonderes hart war der Dienst der Schwestern, die als Hilfs­schwestern im Felde eingesetzt waren.

 

Stellvertretend für die Erlebnisse, die viele Helferinnen bei ihren Kriegseinsätzen hatten, sei hier von dem Schicksal berichtet, das der Helferin Margarete Müller während ihrer Tätigkeit als Kran­kenschwester im und kurz nach dem Kriege widerfuhr.

 

Margarete Müller

Margarete Müller wurde im März 1941 nach Wiesbaden eingezogen und dort eingekleidet. Von hier aus kam sie in ein Lazarett nach Warschau. Sie blieb nicht lange dort, dann wurde sie nach Turas in der Tschechoslowakei ver­setzt. Die nächste Station war Krakau, wo sie sich einer Mandeloperation un­terziehen mußte. Von Krakau aus ging es nach Lemberg in ein Frontlazarett. Später, als sich die Front immer mehr nach Osten verlagerte, wurde dieses Lazarett zum Reservelazarett um­benannt. Täglich trafen Verwun­dete ein. Hier erkrankte Margarete Müller an dem gefährlichen Fleckfieber und brauchte lange, bis sie wieder bei Kräften war. Nach ihrer Gene­sung tat sie weiterhin Dienst in diesem Lazarett.

Als im Jahre 1944 im Verlauf des deutschen Rückzuges die Front der Stadt Lemberg immer näher kam, flüchtete sie mit 3000 Ver­wundeten und 300 Helfern in Sanitätsautos und Lastkraftwagen bis an die Moldau. Hier geriet sie am Ende des Krieges mit vielen Verwundeten in russische Gefangenschaft. Sie kam in ein Lager nach Waydhofen und pflegte dort weiterhin die Verwundeten. Der Hunger war ihr ständiger Begleiter. Als sie einen im unteren Teil eines doppelstöckigen Bettes liegenden Verwundeten betreute, brach der obere Teil des Bettes zusammen, und ein Brett schlug ihr so hart auf den Kopf, daß sie eine Gehirnerschütterung erlitt. Von Waydhofen aus wurde sie zusammen mit 98 Schwestern und Sani­tätern entlassen und kam im Westen in amerikanische Gefan­gen­schaft. Hier hielt man sie im Lager Aibling fest. Im September 1945 wurde sie von dort entlassen. Es war schon dunkel als sie am Bahnhof in Oberstein eintraf.

 

Sie wartete vergebens auf die Straßenbahn. Schließlich klärte sie ein Passant auf, daß wegen der gesprengten Brücke die Straßen­bahn bei Gilsbach's abfahre. Mit der letzten Straßenbahn fuhr sie nach Idar. Inzwischen war die Sperrstunde erreicht und der Schaff­ner warnte sie, sich nicht von der französischen Streife er­wischen zu lassen. Als sie die Lay hochging, hörte sie die Schritte der na­henden Streife und versteckte sich hinter einer Gartentür, bis diese vorbei war.

 

Dann kam sie heim und wurde von ihrer überglücklichen Mutter in die Arme geschlossen. Aber die Gefangenschaft hatte ihre Narben hinterlassen. Viele Monate hat sie kaum geredet, bis wieder neuer Lebensmut bei ihr einkehrte.


Der Ortsverein Idar in der Zeit von 1945 bis 1953

 

Im März 1945 besetzten die Amerikaner unsere Heimat. Wenige Monate danach lösten die Franzosen die Amerikaner als Besatzung ab. Frau Leyser schreibt dazu:

 

»Als die Besatzung kam, erschienen plötzlich die RK-Hauben in den Straßen, auch bei solchen, die nicht viel getan hatten.«

 

Wahrscheinlich wollte man durch das Tragen der Rot-Kreuz-Hau­ben gegenüber der Besatzungsmacht demonstrieren, daß man als Angehöriger des über den Parteien stehenden Roten Kreuzes nicht zu den Nationalsozialisten gehört hatte.

 

Die Gemeindepflegestation, die von den braunen Schwestern ver­lassen worden war, lag darnieder. Um der gröbsten Not abhelfen zu können, besetzte der Ortsverein sie mit vier Helferinnen, die den Pflegedienst versahen. Trotz aller Bitten von Frau Leyser bei der französischen Besatzungsmacht mußte bei Androhung von Strafe die Station aufgelöst werden.

 

Man war im Ortsverein in dieser Zeit auch im Nachforschungs- und Suchdienst tätig. Suchanzeigen wurden alle vierzehn Tage persön­lich nach Heidelberg gebracht, weil noch keine Post ging.

 

Die Kriegsgefangenen in den Lagern Bretzenheim und Deidesheim wurden gemeinsam mit dem Ortsverein Oberstein mit Lebensmit­teln, die aus privaten Beständen stammten, und mit Medikamenten versorgt, so gut es eben ging. Einige Schwerkranke konnten in Privatpflege gebracht werden. Auch die zirka 300 internierten ehe­maligen Nationalsozialisten im Lager Algenrodt wurden be­treut.

 

Eine der größten und befriedigendsten Rot-Kreuz-Aktionen kurz nach dem Kriege war die Betreuung der deutschen Kriegsgefange­nen, die aus alliierten Gefangenenlagern - zum Teil aus Norwegen - nach Frankreich transportiert wurden. Frau Maria Leyser schreibt dazu in ihren Erinnerungen:

 

»In den ersten Tagen des  September  1945  läutete mich die Bahnhofsverwaltung an: ›Heute nachmittag kommt hier ein Transport mit ungefähr 2000 deutschen Gefangenen, die nach Frankreich zum Arbeitseinsatz gebracht werden, durch. Es wäre schön, wenn das Rote Kreuz sie hier noch verpflegen würde .‹

 

Ja, aber woher nehmen? Es war die Zeit des Schlangestehens vor den Läden. Rasch ging ich in die Stadt an den Schlangen vorbei und sagte bei jedem: ›Heute nachmittag kommen deut­sche Ge­fangene hier durch. Wir wollen ihnen etwas zu essen geben; wer etwas dafür übrig hat und sei es nur ein Stück Brot, liefert es ab im Hof von Doktor Schmidt‹. Und als ich nach zwei Stunden dort hinkam, war so viel da, daß wir uns neben dem kleinen Handwä­gelchen ein Pferdefuhrwerk besorgen mußten, um die Sachen zum Bahnhof zu bringen. Wir machten belegte und unbelegte Brote und was für Freude konnten wir damit ma­chen. Es war eine vierwöchige und dankbare Arbeit, die die Ortsvereine Idar und Oberstein gemeinsam bewältigten.«

 

Soweit Frau Leyser. Es folgten noch viele Gefangenentransporte, die verpflegt wurden. Die Helferinnen gingen nicht nur in Ober­stein von Haus zu Haus, um Lebensmittel für die Gefangenen zu bekommen, sondern sie suchten auch die entlegensten Dörfer mit ihren Leiterwägelchen auf, wo sie Lebensmittel erbettelten und es gab nirgendwo eine Absage. »Der ärmste Mann teilt sein Brot mit den Gefangenen« heißt es hierzu im Tätigkeitsbericht des DRK - Kreisverbandes im Jahre 1953.

 

Im Februar 1946 wurde das Rote Kreuz in der französischen Be­satzungszone verboten.

 

Das Vermögen des Ortsvereins Idar mitsamt dem Vereinshaus wurde von der Besatzungsmacht beschlagnahmt und dem Amt für kontrollierte Vermögen in Birkenfeld unterstellt. Nachdem das Verbot des Roten Kreuzes wieder aufgehoben worden war - der ge­naue Zeitpunkt der Wiederzulassung konnte nicht ermittelt wer­den - wurde in Idar das Rote Kreuz wieder gegründet. Die Neu­grün­dung fand am 26. Januar 1948 in einer Gründungsver­samm­lung statt, die im Rot-Kreuz-Haus stattfand.

 

 

 

 

Dem Gründungsaus­schuß gehörten folgende Personen an:

 

                   Herr            Dr. Fischer

                   Herr            Rektor Bartholome

                   Frau            Elisabeth Mayer

                   Frl.              Ella Crummenauer

                   Frl.              Elisabeth Kessler


 


Der neue Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:

 

 

 

                   Frau            Maria Leyser                  1. Vorsitzende

                   Frl.              Berta Veeck                   2. Vorsitzende

                   Frau            Dilli                                Schriftführerin

                   Frau            Elisabeth Mayer             Schatzmeisterin

                   Herr            Rudolf Steuer                 Bereitschaftsführer

                   Frau            Elsbeth Schmidt              Zeugwartin

 

 

 

Mit Schreiben vom 6. Juni 1948 ernannte das Amt für kontrollierte Vermögen Frau Maria Leyser zur Verwalterin des Rot-Kreuz-Hauses in der Schachenstraße. Die endgültige Rücküber­eignung des Hauses samt den zugehörigen Grundstücken erfolgte notariell am 24. März 1952.

 

Am 1. Juli 1948 übernahm das Rote Kreuz in Idar-Oberstein den Krankentransport. Es wurde ein Krankenwagen angeschafft. Vor­her hatte man mit Privatwagen die dringendsten Fälle befördert. Der erste Krankenwagenfahrer war Lothar Veeck aus Idar. Er wohnte im Heldersgäßchen N16. Für ihn wurde ein Telefon­an­schluß bei der Oberpostdirektion in Trier beantragt. Im Jahre 1950 waren in Idar-Oberstein schon zwei Krankenwagen in Dienst ge­stellt.

 

Im Jahre 1949 fand im Saalbau in Idar eine Abendfeier, die gleich­zeitig auch als Jahresversammlung gedacht war, in einem festlichen Rahmen statt.


Zahlreich Gäste waren erschienen. So nahmen Landrat Heep, Capitaine Bordier von der französischen Be­satzungsmacht und Damen des französischen Roten Kreuzes sowie Doktor Fischer, der Chefarzt des Krankenhauses, an der Feier teil. Da seit der letzten Jahresversammlung im Juni 1939 zehn Jahre vergangen waren, gab die Vorsitzende, Frau Maria Leyser, einen Tätigkeitsbericht über die in den verflossenen zehn Jahren gelei­stete Arbeit. Dabei erwähnte sie, daß ab 1.  Januar 1950 das Rote Kreuz wieder Mitglieder werben und Beitrag erheben werde. So erscheint diese Versammlung ein wichtiger Markstein in der Ge­schichte des Idarer Ortsvereins nach dem Kriege gewesen zu sein.

 

Frau Elsbeth Schmidt

Im Jahre 1953 legte Frau Leyser ihr Amt als Vorsitzende nieder. Nach dem Aus­scheiden dieser verdienstvollen Frau übernahm Frau Elsbeth Schmidt im gleichen Jahr den Vorsitz.


Das Verhältnis des Ortsvereins Idar zur Kirchengemeinde Idar in der Zeit von 1946 bis 1955

Das Verbot des Roten Kreuzes durch die französische Be­satzungsmacht im Februar 1946 bewirkte, daß dem Roten Kreuz in Idar sämtliche Betätigungen genommen wurden, auch im sozialen Bereich, zumal auch das Vereinshaus und das Vermögen des Orts­vereins beschlagnahmt worden waren. Ferner hatte das Verbot zur Folge, daß die seit dem Jahre 1914 - durch die Übernahme des Idarer Frauenvereins in das Rote Kreuz - bestehende enge Verbin­dung zwischen der Kirchengemeinde und dem Roten Kreuz nun aufgehoben war. Da die Kirchengemeinde von keinem Verbot und keiner Einschränkung hinsichtlich ihrer Tätigkeiten betroffen war, setzte sie aus eigenen Kräften die Krankenpflege und die Unterhal­tung des Kindergartens fort. Auch die Neugründung des Roten Kreuzes in Idar am 26. Januar 1948 bedeutete keineswegs, daß auch das enge Zusammengehen von einst sich zwangsläufig wie­der ergeben mußte. Die evangelische Kirchengemeinde konnte sich für ein Zusammengehen frei entscheiden und war sich dieser Tatsache wohl bewußt.

Am 27. März 1947 schloß die Kirchengemeinde Idar mit dem Amt für kontrollierte Vermögen in Birkenfeld einen Mietvertrag über das beschlagnahmte Rot-Kreuz-Haus in der Schachenstraße ab. In dem Vertrag heißt es: »Das Mietverhältnis hat am 20. Februar 1946 begonnen.« Es muß also davon ausgegangen werden, daß sich die evangelische Kirchengemeinde bereits vor Abschluß die­ses Vertrages  in dem Haus in der Schachenstraße etabliert hatte, so daß dieser Vertrag diese Tatsache lediglich rechtlich absicherte. Im Mietvertrag heißt es unter anderem:

»Dem Mieter ist bekannt, daß im Kellergeschoß ein Raum mit Nebengelaß dem französischen Sozialdienst als Kindergarten zur Verfügung steht.«

Bereits am 1. Oktober 1946 waren in dem Haus in der Schachen­straße drei Marburger Diakonissinen untergebracht worden. Sie versahen von dort aus den Dienst an den Kranken.

Nach seiner Neugründung nahm der Ortsverein Idar im Jahre 1949  mit der Kirchengemeinde Idar Verhandlungen auf mit dem Ziel, Schwesternstation und Kindergarten wieder gemeinsam zu betrei­ben. Es wurde zäh verhandelt. So lehnte das Presbyterium unter Vorsitz von Pfarrer Lueg den Vertragsentwurf des Ortsvereins Idar ab, weil, wie Pfarrer Lueg in seinem ablehnenden Bescheid formu­lierte, »...die Belange der evangelischen Kirchengemeinde nicht genügend gewahrt sind.« Andererseits lehnte der Ortsverein Idar den Vertragsentwurf der Kirchengemeinde ab, da man der Ansicht war, daß darin die Interessen des Ortsvereins nicht gebührend be­rücksichtigt wurden. Es kam zu keiner Einigung. Man gewinnt je­doch den Eindruck, daß die Kirchengemeinde Idar ein Zusammen­gehen gar nicht wollte.

Im Sitzungsprotokoll des Presbyteriums vom 31.07.1948 kommt klar zum Ausdruck, daß Schwesternstation und Kindergarten Ein­richtungen der Gemeinde sind und es auch bleiben sollen. Und im Sitzungsprotokoll des Presbyteriums vom 25.04.1949 wird festge­stellt, daß Diakonie Aufgabe der christlichen Gemeinde ist. So scheint es der Kirchengemeinde an echtem Verhandlungswillen ge­fehlt zu haben.

Zwischenzeitlich scheint sich der Ortsverein mit dem Gedanken getragen zu haben, Schwesternstation und Kindergarten in eigener Regie zu unterhalten. So fragte man mit Schreiben vom 02.07.1949 bei dem Kaiserswerther Diakonissen-Mutterhaus an, ob dieses drei bis vier Diakonissen für die Krankenpflege und eine Kindergarten­schwester zur Verfügung stellen können. Die Anfrage wurde ab­schlägig beschieden. So mußten diese Pläne aufgegeben werden.

Die Spannungen nahmen zu, als nach den vergeblichen Bemühun­gen, Kindergarten und Schwesternstation gemeinsam zu betreiben, der Ortsverein Idar mit Schreiben vom 23.06.49 der Kirchenge­meinde das Mietverhältnis aufkündigte und sie aufforderte, die gemieteten Räume bis zum 31. Juli 1949 zu räumen. Die Kirchen­gemeinde bat daraufhin um Verlängerung des Mietvertrages. Dar­auf ging der Ortsverein nicht ein. Er erklärte sich zwar bereit, mit der Kirchengemeinde wegen eines gemeinsam betriebenen Kinder­gartens und einer gemeinsam unterhaltenen Schwesternsta­tion zu verhandeln, und zwar auf der Basis der vom Ortsverein gemachten Vorschläge, über einen reinen Mietvertrag wollte man jedoch nicht verhandeln. Allerdings kam man den Bitten der Kirchengemeinde schließlich nach und beließ den Kindergarten und die Un­terkunft für die Schwestern bis auf weiteres im Haus in der Schachenstraße.

Um so erstaunlicher ist es, daß nach dem vielen Hin und Her die Gemü­ter sich im Jahre 1950 so beruhigt hatten, daß die beiden Kontra­henten einen Mietvertrag miteinander schlossen. Demnach mietete die Kirchengemeinde das Haus in der Schachenstraße für monat­lich 150 DM. Für die rückständige Miete für die Zeit vom 21. Juni 1948 bis zum 31. Dezember 1949 wurde eine Pauschal­summe von 2500 DM gezahlt. Der Kindergarten blieb weiterhin im Vereins­haus bis zum Jahre 1955. Dann wurde er in den von der Kirchen­gemeinde inzwischen auf dem Hasenklopp erbauten Kin­dergarten verlegt. Damit erlosch nach jahrelanger Zusammenarbeit die letzte Verbindung zwischen der Kirchengemeinde und dem DRK Ortsverein Idar.


Die Sanitätskolonne Idar

 

Bisher berichtete die Festschrift ausführlich über die Entstehung des Vaterländischen Frauenvereins und von seiner Entwicklung im Laufe der Zeit. Mancher wird sich wohl fragen, ob es von den Idarer Männern im Hinblick auf das Rote Kreuz nichts zu berichten gibt. Auch von ihnen ist diesbezüglich einiges zu sagen. Allerdings sind die Quellen, aus denen die Angaben geschöpft werden kön­nen, sehr spärlich. Drei Hinweise auf das Bestehen einer Sanitäts­kolonne sind den Protokollen des Vaterländischen Frauenvereins zu entnehmen. Ferner steht ein ehemaliges Mitglied der Sanitäts­ko­lonne Idar, Herr Speder, zur Verfügung. Er räumt als Achtzigjähriger allerdings ein, daß ihm manches entfallen ist und daß ihm die zeitliche Einordnung von Fakten Schwierigkeiten be­reitet. Nach gründlicher Befragung von Herrn Speder und unter Be­rücksichtigung der Hinweise in einigen Protokollen des Vater­län­dischen Frauenvereins sowie durch Auswertung einiger Grup­pen­fotos ergibt sich ein - wenn auch unvollständiges - Bild von der Entstehung, der Tätigkeit und dem Ende der Idarer Sanitätskolonne.

 

Die Idarer Sanitätskolonne des Roten Kreuzes wurde im Jahre 1928 gegründet. Gründungsmitglieder waren der Arzt Doktor Wittmer, der Apotheker Lehmann, der Diamantschleifer Roos, die Schneidermeister Fillmann und Burbes, der Friseur August Maus, der Schornsteinfeger Karl Kirsch, ferner Walter Schneider, Karl Kuhnen und Willi Werle. Der erste Vorsitzende war Apotheker Lehmann. Er starb im Jahre 1930. Wer nach ihm den Vorsitz über­nahm, ist nicht bekannt. Kolonnenführer war Emil Roos. Während der Zeit des 3. Reiches  führten nacheinander Herr Peter Tholey und Herr Steuer die Kolonne.


Die Kolonne besaß schon einen Sanitätswagen mit einer Liege- und einer Hängetrage. Der Fahrer des Sanitätswagens war Herr Walter Becker. Er führte bei Tag und bei Nacht Transporte durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sanitätskolonne


 

 

 

 

Krankenwagen der Sanitätskolonne Idar

 

 

 

Der Vaterländische Frauenverein und die Sanitätskolonne arbeite­ten lose zusammen und wirkten bei Veranstaltung wie Sammlun­gen und Festen gemeinsam mit. Im Jahre 1936 gehörten 36 aktive Mitglieder der Sanitätskolonne an. Ihr Vereinslokal der war zu­nächst das Gasthaus Römer. Es besteht nicht mehr und befand sich dort, wo heute am Anfang der Layenstraße ein Parkplatz liegt. Spä­ter wurde das Café Baumann, Hauptstraße 33, Vereinslokal. Heute befindet sich dort das Café Graffiti. Im Gast­haus Römer und in einem kleinen Saal im ersten Stock des Café Baumann wurde aus­gebildet. Ausbildungsarzt war Doktor Witt­mer. Als Ausbildungs­leiter betätigten sich die Herren Roos und Kuhnen. Sie waren schon im ersten Weltkrieg als Sanitäter tätig.

 


Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Sanitätskolonne von Land­rat Heep, der in seiner Eigenschaft als Landrat auch Kreis­vorsitzender des Roten Kreuzes war, wieder ins Leben geru­fen. Wann das genau war, läßt sich nicht mehr feststellen. Wahr­scheinlich im Jahre 1948, als das Rote Kreuz in Idar neu gegründet wurde.

 

Herr Emil Speder wurde, obwohl er sich dagegen sträubte, provi­sorischer Leiter dieser Sanitätskolonne; denn er war nicht Mitglied der NSDAP gewesen, und nur eine Person, die nicht einer national­sozialistischen Organisation angehört hatte, konnte damals eine leitende Stellung bekleiden. Der Sanitätskolonne ge­hörten  20 bis 25 Männer an. Hans Steuer, der bei der Neugründung des DRK Ortsvereins Idar im Gründungsprotokoll als Bereitschaftsführer ge­nannt wird, war nicht an führender Stelle in der Sanitätskolonne, sondern lediglich einfaches Mitglied. Ausgebildet wurde nun im Rot-Kreuz-Haus in der Schachenstraße. Im November 1956 absol­vierte Herr Speder in Stromberg einen Sanitätslehrgang zum Er­werb der Befähigung als Ausbilder. Bis 1965 widmete er sich be­sonders der Ausbildung von Feuerwehrleuten in Erster Hilfe.

 

Unter Landrat Beyer, der im Jahre 1957 seinen Dienst als Landrat im Kreis Birkenfeld aufnahm und der Kreisvorsitzender des Roten Kreuzes war, wurden die Sanitätskolonne und die weiblichen Mit­glieder des aktiven Dienstes, die bisher getrennt gearbeitet hatten, zu einer gemischten Bereitschaft zusammengefaßt. Dies bedeutete praktisch das Ende der Sanitätskolonne Idar.


Entstehung und Entwicklung des Altenheimes »Abendfrieden«

 

In den fünfziger Jahren entstand im Ortsverein Idar der Plan, ein Altenheim zu errichten und zu betreiben. Vor allem Berta Veeck, die zweite Vorsitzende, war der Initiator und die treibende Kraft, die dieses Vorhaben Wirklichkeit werden ließ. So erwarb man im Bereich der Gemeinde Kirschweiler einen Bauplatz, auf dem das Haus errichtet werden sollte, und bildete einen Bauausschuß, der erstmalig am 02.02.1958 zusammentrat.

 

Ihm gehörten folgende Personen an:

 

 

 

          Frau Elsbeth Schmidt                         1. Vorsitzende

          Frau Berta Veeck                              2. Vorsitzende

          Herr Dr. Herbst

          Herr Dr. Purper

          Herr Zimmer

          Herr Pfarrer i.R.. Lueg

          Herr Rendant Dirks

          Herr Architekt Melzer

 

 

 

Herrn Melzer oblag die Planung des Hauses und die Leitung der Bauarbeiten. Ferner gründete man ein Kuratorium. Diesem Kura­torium, das auch heute noch besteht und das Altenheim Abend­frieden als Sondervermögen des Ortsvereins verwaltet, ge­hören laut der Satzung an:

a)       der jeweilige Vorsitzende des Ortsverein als Vorsitzender,

b)      der stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins,

c)       drei weitere Mitglieder des Ortsvereins, die von der Mitglie­derversammlung auf die Dauer von 4 Jahren gewählt werden,

d)      der jeweilige Bürgermeister der Gemeinde Kirschweiler,

e)       ein Vertreter des DRK Kreisverbandes,

f)       zwei Beisitzer, die von der Mitgliederversammlung gewählt werden ( z.B. Heimarzt ). Ferner kann das Kuratorium Fach­leute als Beisitzer berufen. Sie haben allerdings nur beratende Funktion.

 

Die erste protokollierte Sitzung des Kuratoriums fand am 09.01.1958 statt. An ihr nahmen unter anderem Teil.

 

          Frau Elsbeth Schmidt

          Frau Berta Veeck

          Herr Pfarrer i. R. Lueg

          Herr Rendant Dirks

 

Im Jahre 1957 erstellte man den Rohbau, und in den Jahren 1958/59 wurde das Haus fertiggestellt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 695.000 DM. Die Einweihung des Altenheimes fand am 10. April 1959 statt. Die Festrede hielt Doktor Müller, der Präsi­dent des DRK - Landesverbandes.

 

In dem neuen Haus übernahm Herr Rendant Dirks die Aufgabe des Geschäftsführers. Im Jahre 1973 löste ihn Herr Paul Eifler ab. Er leitete die Geschäfte des Hauses bis zum 31.12.1979. Anschließend wurde Frau Brunhilde Schmeyer Geschäftsführerin.

 

Das Haus hatte in den ersten beiden Jahrzehnten seines Bestehens mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die größten Proble­me bereiteten die Unterbelegung, zu niedrige Pflegesätze, unge­eignetes Personal und unqualifizierte Heimleiter.

 

Ferner entsprach das Haus in seiner baulichen Gestaltung und in seiner Ausstattung keineswegs den Anforderungen, die an ein mo­dernes und leistungsfähiges Heim gestellt werden. Der Ortsverein wurde deshalb in der Mitte der siebziger Jahre von der Heimauf­sicht des Landes vor die Alternative gestellt, entweder das Haus zu schließen oder es zu modernisieren. Es spricht für den Ortsverein Idar, daß er sich für das letztere entschloß, obwohl man sich der enormen Schwierigkeiten bewußt war, die auf ihn nun zwangsläu­fig zukommen mußten.

 

Der Birkenfelder Architekt Fischer wurde mit der Planung des Hauses beauftragt, und unter großen Mühen und mit viel Geduld wurde die Finanzierung des Vorhabens gesichert. Dem Bauaus­schuß gehörten Herr Hans Siebenschuh, Herr Kurt Schmeyer, Herr Robert Heidrich und Herr Franz Link an.

 

Im März 1989 wurde der Ostflügel des Hauses, der für den Abriß vorgesehen war, geräumt. Seine 30 Bewohner wurden im Schwesternhaus No 7 des Städtischen Krankenhauses unterge­bracht. Am 19. Juni 1989 begann der Abriß des Ostflügels, und am 15. Januar 1990 konnte das Richtfest in einer bescheidenen Feier begangen werden. Nun konnte der Innenbau des Ostflügels beginnen. Ende März fingen die Renovierungsarbeiten im West­flügel an, dessen Bewohner bis zur Beendigung derselben im Barbarahaus in Idar-Oberstein eine Bleibe fanden.

 

Die behelfsmäßige Unterbringung der Altenheimbewohner im Schwesternhaus und im Barbarahaus war in organisatorischer und arbeitsmäßiger Hinsicht eine starke Belastung für die Heimleitung und das Pflegepersonal. Am 15. Dezember 1990 konnten der Ost­flügel und am 23. März 1991 der Westflügel wieder bezogen wer­den. Bei allen Umzügen und bei der abschließenden Reinigung der provisorischen Unterkünfte übernahmen die Helferinnen und Helfer des aktiven Dienstes die anfallenden Arbeiten.

 

Zum 31. März 1991 schied Heimleiter Grimm aus, und Herr Klein trat am 1. Juli 1991 an seine Stelle.

 

Am 23 August 1991 konnte das Haus, dessen Modernisierung 6,5 Millionen Mark gekostet hatte und das 62 Bewohnern eine schöne Bleibe bietet, eingeweiht werden. In seiner Festansprache betonte Staatssekretär Udo Reichenbecher vom Sozialministerium:

 

»Das gibt es kein zweites Mal in Rheinland Pfalz, daß ein kleiner Ortsverein solch ein Haus erstellt und betreibt.«

 

Eine schöne Anerkennung für den Mut, die Tatkraft und den Geist, der im Ortsverein Idar, stets geherrscht hat.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Altenheim Abendfrieden vor der Renovierung (1959 - 1989)

 

Das renovierte Altenheim am Tag der Einweihung (23.08.1991)

 


Berta Veeck

 

Eine der herausragendsten und verdienstvollsten Frauen, die im Ortsverein Idar gewirkt haben, ist neben Frau Ida Purper Berta Veeck. Sie war in Idar eine geachtete und stadtbekannte Persön­lichkeit. Obwohl sie erst seit 17 Jahren nicht mehr unter uns weilt, ist sie bereits heute schon zu einer legendären Gestalt geworden, um die sich im Zusammenhang mit ihrem Wirken ernste und hei­tere Geschichten ranken.

 

 

 

 

Florence - Nightigale - Medaille


Berta Veeck wurde am 17. Dezember 1892 in Idar geboren. Sie war nicht verheiratet und hat ihr ganzes Leben der Arbeit im Roten Kreuz gewidmet. Nach dem Schulbesuch trat sie in Frankfurt eine Ausbildung als Lernschwester an und legte dort die Abschlußprü­fung ab. Vom 01.01.1913 bis zum Kriegsausbruch im Jahre 1914  wurde sie überdies als Heeresreserveschwester für besonderen sani­tätsdienstlichen Einsatz geführt und mußte sich verpflichten, jedes Jahr in dieser Eigenschaft eine sechswöchige Übung zu ab­solvie­ren. Sie war in dieser Zeit auch als Sozialhelferin in der Ge­mein­depflege tätig.

 

Im ersten Weltkrieg arbeitete sie im Heeressanitätsdienst in Idar-Oberstein, Berlin, Rumänien und Nordfrankreich, wo sie im Jahre 1918 in einem fliegenden Sanitätstrupp die Frühjahrsoffensive mitmachte und mit dem Frontkämpferkreuz ausgezeichnet wurde.

 

Nach dem ersten Weltkrieg bis zum Ausbruch des zweiten Welt­krieg war sie in verschiedenen Positionen im Roten Kreuz tätig u.a. im Sozialdienst und gehörte dem Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz in Idar an. Kurz vor dem Aus­bruch des zweiten Weltkrieges wurde sie zur Kreisbereit­schafts­führerin  des weiblichen Bereitschaftsdienstes ernannt.

 

Im zweiten Weltkrieg gab es für sie viel zu tun. So richtete sie auf den Bahnhöfen in Idar-Oberstein und Türkismühle Krankensam­melstellen ein und überdies in ihrem Wirkungsbereich noch 67 Rettungsstellen zur Evakuierung und Rückführung von Bewohnern des Saarlandes. Ferner wirkte sie maßgeblich bei der Einrichtung eines Lazarettes auf dem Klotzberg und in Birkenfeld mit. Bei dem schrecklichen Luftangriff am 22. Februar 1945, der in der Kobach-, Moltke-, Blücher- und Kiestraße 32 Menschenleben forderte, legte sie als erfahrene Rotkreuz-Schwester bei der Bergung der Toten und bei der Versorgung der Verwundeten persönlich mit Hand an und leitete die Rettungsarbeiten. Während des Krieges hielt sie 450 Luftschutzlehrgänge zu je zwei Doppelstunden ab und wirkte bei der Ausbildung von über 600 Rotkreuzhelferinnen mit.

 

Kurz nach dem Kriege kümmerte sie sich um die Internierten in der Kaserne in Algenrodt und sprach sehr oft bei den Amerikanern vor, um Einblick in die Liste der Internierten zu erhalten, deren Ange­hörige sie verständigte, ein Einsatz, der damals viel Mut er­for­derte. Auch bei der Unterbringung und Betreuung von 18 deut­schen Gefangenen, die in Betrieben der Stadt arbeiteten, half sie tatkräftig mit. Später hat sie noch viele Jahre als Geschäftsführerin des Kreisverbandes und als Kreisbereitschaftsführerin segensreiche Arbeit geleistet. Der Bau eines vereinseigenen Alten­heimes auf dem Gebiet der Gemeinde Kirschweiler ist weitgehend ihr zu ver­danken. Sie war eine großzügige Natur. Penibles Pfennigfuchsen und akribische Buchführung lagen ihr nicht, um so mehr Energie steckte sie in ihre Arbeit. So hat sie insgesamt 50 Jahre ihres Le­bens in den Dienst der guten Sache gestellt. Auf­grund ihrer Ver­dienste erhielt sie alle Ehrenzeichen, die das Rote Kreuz zu verge­ben hat, darunter ist auch die nur in wenigen Exemplaren in der Welt verliehene höchste Auszeichnung, die Florence-Nightingale-Medaille. Ferner wurde ihr die Bundesver­dienstmedaille verliehen.

 

Berta Veeck verstarb im Jahre 1977. Sie wird in unserer Erinne­rung als leuchtendes Vorbild weiterleben, als Mensch, der die Ideale des Roten Kreuzes und den Geist der Menschlichkeit vor­bildlich verwirklicht hat.


Die Entwicklung des Ortsvereins Idar von der Mitte der fünfziger Jahre bis zum Jahre 1994

 

Um das Jahr 1953 bildete sich erstmals eine Jugendrotkreuzgruppe im Ortsverein Idar. Sie wurde von Herrn Petsch geführt. Danach betätigten sich Herr Robert Heidrich, Frau Dintner und ihre Tochter Heidi in der Führung des Jugendrotkreuzes. Herr Heidrich ging später zum aktiven Dienst über. Die Jugendrotkreuzgruppe bestand viele Jahre und war unter anderem in Frankreich bei der Kriegsgrä­berfürsorge eingesetzt. Auch half sie in Ehrenbreitstein beim Sor­tieren und Verladen von Kleidung, als die Stadt Hamburg von einer großen Flutkatastrophe heimgesucht worden war.

 

Anfang der sechziger Jahre bestand beim Ortsverein ein aktiver Dienst, der sich aus Männern und Frauen zusammensetzte. Etwa 40 Männer gehörten dieser Gruppe an. Um das Jahr 1963 wechsel­ten sie jedoch zum Zivilen Bevölkerungsschutz über, weil sie sich einen Vorteil davon versprachen, da diese Organisation mit techni­schem Gerät vorzüglich ausgerüstet war. Nach ihrem Austritt war Herr Robert Heidrich der einzige männliche Aktive, der dem Orts­verein noch verblieben war. Im Jahre 1966 kamen dann Herr Paul Heidrich, der vom Jugendrotkreuz zum aktiven Dienst übertrat, und Herr Lothar Hennchen hinzu. Fast 10 Jahre lang bestand die aktive Gruppe aus höchstens 10 Mitgliedern. Sie wurde von Herrn Robert Heidrich geleitet. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre vergrößerte sich die Gruppe nach und nach. Im Jahre 1982 zählte sie 29 Mitglieder. Bis zum heutigen Tage ist ihre Stärke im großen und ganzen so geblieben. Im Jahre 1993 gehörten dem Ortsverein 1140 Mitglieder an.

 

Frau Elsbeth Schmidt legte im Jahre 1973 den Vorsitz im Orts­verein nieder. An ihre Stelle trat Frau Erika Dintner, die den Orts­verein bis 1981 leitete. Dann übernahm Herr Hans Siebenschuh die Führung des Ortsvereins. Am 10. Oktober 1992 trat er aus Alters­gründen von seinem Amt zurück. Herr Robert Heidrich wurde dann an der Jahreshauptversammlung am 16. April 1993 zu sei­nem Nachfolger gewählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Erika Dintner

 


 

 

 

 

Herr Hans Siebenschuh

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Herr Robert Heidrich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Der heutige Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

 

          Herr Robert Heidrich               1. Vorsitzender

          Herr Rüdiger Arnold                stv. Vorsitzender

          Herr Lothar Hennchen             stv. Vorsitzender

          Herr Kurt Schmeyer                Schatzmeister

          Frau Gudrun Caspary              Schriftführerin

          Herr Dr. Hans Schmidt            DRK Arzt

          Frau Ingrid Heidrich                 Führerin des akt. Dienstes

          Herr Martin Geibel                   Führer des akt. Dienstes

          Herr Christian Müller               Leiter des Jugendrotkreuzes

          Herr Klaus Neumüller              1. Beisitzer

          Herr Stephan Emrich                2. Beisitzer

          Herr Joachim Geiß                   3. Beisitzer

 

 

 

Vorstand 1994


In den Jahren von 1981 bis 1993 hat der Ortsverein viel zur Erhal­tung und Verbesserung  des Hauses in der Schachenstraße getan. Die Kellerräume wurden saniert. In den trockenen Räumen richtete man eine Kleiderkammer ein. Daneben entstand eine geräumige Toilettenanlage. Auch die Treppe, die vom Erdgeschoß zum Übungssaal führt, wurde komplett neu aufgebaut und mit rutschfe­sten Fliesen versehen. Im ganzen Haus setzte man neue Fenster mit Rolläden ein. Im Übungssaal wurde der schadhafte Parkettboden renoviert, und in dem Raum neben dem Saal installierte man eine neue Küche. An der Rückseite des Hauses baute man noch einen Lagerraum an. Die drei Räume im Erdgeschoß erfuhren eine gründliche Renovierung. In ihnen richtete man ein Büro, einen Konferenzraum und einen Raum zur Aufbewahrung wichtiger Geräte und Unterlagen ein. Ein Computer erleichtert die Verwal­tungsarbeit. Im Jahre 1993 wurde das Dach renoviert, und in näch­ster Zeit soll noch das Haus einen neuen Außenputz erhalten. Viele dieser Arbeiten wurden von den Mitgliedern des aktiven Dienstes in Eigenleistung durchgeführt.

 


Der aktive Dienst

 

Während der Vorstand und das Kuratorium leitende und admini­strative Aufgaben wahrnehmen, ist der aktive Dienst ein ausfüh­rendes Organ. Er setzt die dem Ortsverein vom Roten Kreuz zu­gewiesenen Aufgaben in die Tat um. Er ist der eigentliche Lei­stungsträger und kann als das Herzstück des Ortsvereins bezeich­net werden. Allerdings sind Vorstand, Kuratorium und aktiver Dienst in personeller Hinsicht keine streng getrennten Gruppen, denn zahlreiche Mitglieder des aktiven Dienstes gehören auch dem Vorstand und dem Kuratorium an.

 

Dem aktiven Dienst gehören zur Zeit 25 Helferinnen und Helfer an. Einmal in der Woche treffen sie sich abends im Vereinshaus in der Schachenstraße zur Gruppenstunde die der praktischen und theore­tischen Ausbildung sowie dem geselligen Beisammensein dient. Die Aufgaben des aktiven Dienstes sind sehr vielschichtig.

 

Alle Mitglieder des aktiven Dienstes stehen im Berufsleben und opfern ihre Freizeit für den guten Zweck. Durch die vielfältigen Aufgaben, die der Verein wahrnimmt, sind die Helfer oft sehr be­ansprucht und überlastet. Neue Mitglieder zu finden, wird immer schwieriger. In dieser Hinsicht sieht sich der Ortsverein vor das gleiche Problem gestellt, vor dem auch andere DRK Gruppen und das Vereinswesen ganz allgemein stehen; es fehlt an Nachwuchs. Zum Glück ist es dem Ortsverein immer wieder gelungen, junge Menschen für den aktiven Dienst zu gewinnen. Wir hoffen, daß dies auch in Zukunft so sein wird.

 

Nachstehende Fotos vermitteln einen Einblick in die interessanten und abwechslungsreichen Tätigkeiten des aktiven Dienstes.

 

 

 

 

 

 

Die Gruppe des aktiven Dienstes

 

 

 

 

 

 

 

Durch ständige Weiterbildung sind unsere Helferinnen und Helfer bemüht, ihre Kenntnisse weiter zu vertiefen.

 

Dies ist eine Voraussetzung für fachgerechte Hilfeleistung in Not­fällen.


Damit auch die Bevölkerung die richtige Durchführung der Ersten Hilfe erlernt, werden regelmäßig Ausbildungen durchgeführt. Dabei wird nicht nur Theorie vermittelt; viele Maßnahmen werden auch praktisch geübt.

 

Neben der Ausbildung in Erster Hilfe werden noch weitere Kurse angeboten, so z.B. Krankenpflege in der Familie und Erste Hilfe an Ihrem Kind.

 

 

 

 

 

Ausbildung in häuslicher Krankenpflege


 

Theoretische Ausbildung in Erster Hilfe

 

 

 

Praktische Ausbildung in Erster Hilfe

Die Ausrüstung des aktiven Dienstes wurde nach und nach verbes­sert. Im Jahre 1986 kaufte man einen Transportanhänger, um Zelte, Feldbetten, Decken und andere wichtige Ausrüstungsgegenstände für Übungen und Einsätze zu transportieren. 1994 wurde noch ein Kleinbus angeschafft, um Personen und Material zu befördern.

 

 

Aufbau eines Sanitätszeltes


Mehrmals im Jahr wird im gesamten Kreisgebiet eine Altkleider­sammlung durchgeführt. In unserer Überflußgesellschaft kennt jeder das Problem. Der Kleiderschrank quillt langsam aber sicher über und man muß sich von zum Teil noch tragbaren Kleidungs­stücken trennen um Platz zu schaffen. Wie schön, daß dann bei Ausrangie­ren der » alten Fummel « noch etwas sinnvolles damit angefangen werden kann.

 

Die in Säcken am Straßenrand bereitgestellten Kleiderspenden werden mit Transportfahrzeugen eingesammelt. Natürlich wird nicht alles wieder für die Ausgabe benötigt. Unser Ortsverein un­terhält eine Kleider­kammer, in der sich bedürftige Personen gut erhaltene Kleidungs­stücke abholen können. Zu diesem Zweck werden gute Stücke ein­gelagert. Darüber hinaus sind in speziellen Depots auch Kleidungs­stücke für Katastrophenfälle untergebracht. Der Erlös der nicht mehr benötigten und nicht mehr tragbaren Kleiderspenden wird für die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben verwandt.

 

Bei der Altkleidersammlung

 

Sortieren von Kleidern

 

 

Kleiderausgabe im OV Idar


Die Durchführung von Blutspendeterminen dient der lebenswich­tigen Bereitstellung der benötigten Blutkonserven. Die Termine für den jeweils nächsten Blutspendetermin werden durch Plakat­aus­hang und Inserate in der Presse bekanntgegeben. Da unsere eigenen Räumlichkeiten hierfür zu klein sind, finden diese in der Heiden­steilschule statt. Wir freuen uns über jeden Spender, der zu diesen Terminen kommt. Viele Blutspender kommen schon seit Jahren re­gelmäßig zu den Terminen und engagieren sich auf diese Weise für ihre Mitmenschen. Deshalb werden auch immer wieder Mehrfach­spender für ihre Blutspenden geehrt.

 

 

Die 12000. Blutentnahme des OV Idar am 06.Sept. 1993

 

Ehrung verdienter Blutspender

 

 

Blutspender bei der Blutentnahme


Auch bei der Betreuung alter Menschen ist der aktive Dienst tätig. Der Ortsverein unterhält einen Seniorenkreis, dessen Mitglieder wöchentlich zusammenkommen. Neben der für alte Menschen wichtigen Kontaktpflege werden kleine Bastel- und Näharbeiten durchgeführt. Im vereinseigenen Altenheim werden Heimbewoh­ner in gleicher Weise betreut. Für Seniorinnen und Senioren finden re­gelmäßig Übungsstunden in altengemäßer Gymnastik statt. Dabei wird Bewegung gefördert, ohne zu überfor­dern. Auch der neu ein­gerichtete Seniorentreff, der am letzten Sonntag im Monat stattfin­det, wird gerne besucht.

 

 

 

 

 

Näh- und Bastelstunde


 


Ohne auf alle Aktivitäten eingehen zu wollen, sei noch auf die Be­tätigung im Jugendrotkreuz hingewiesen. Der Nachwuchs wird spielerisch beschäftigt und kann schon bei vielen sinnvollen Tätig­keiten mitwirken.

 

In den fünfziger Jahren war dies unter anderem die Kriegsgräber­pflege. Heute stehen die Ausbildung im DRK, die bei Wettbewer­ben unter Beweis gestellt wird, sowie die Gemeinschaft mit anderen JRK Gruppen ,z.B. in Zeltlagern, im Vordergrund. Natür­lich wer­den auch unsere älteren Mitmenschen vom JRK nicht ver­gessen.

 

 

 

 

Fahrt ins Elsaß zur Kriegsgräberpflege

 

Jugendrotkreuzler bei der Grabpflege

 

 

Jugendrotkreuzler spielten Osterhase im Altenheim »Abendfrieden«


Die Leistungen des aktiven Dienstes werden anschaulich dargestellt durch die Leistungsbilanz des DRK Ortsverein Idar e.V. aus dem Jahre 1993:

 

Mitglieder im DRK OV Idar           1042

aktive Mitglieder                                22

Arbeitskreis                                       12

Jugendrotkreuz                                     8

Gesamt                                          1084

 

Einsätze und ehrenamtlich geleistete Dienststunden:

 

                            Einsätze       Einsatzkräfte         Dienststunden

Sanitätsdienst:             49                  278                    1946

Blutspendedienst:          3                    54                      378

Sozialarbeit:                75                  675                      845

 

von  9 Helferinnen in der Sozialarbeit wurden bei 845 Einsatz-stunden an 1374 Bedürftige, 2985 Stück Herrenbekleidung, 4265 Stück Damenbekleidung, 3517 Stück Kinderbekleidung und 1348 Stück Decken, Tücher usw. ausgegeben.   


Spenderliste

 

 

Wir bedanken uns bei allen Spendern, ohne deren finanzielle Hilfe die Veröffentlichung dieser Festschrift und die Gestaltung unserer Jubiläumsfeier nicht möglich gewesen wäre.

 

 

Adam P. GmbH & Co. KG

          Hauptstraße 175                                  55743    Idar-Oberstein

Aulenbacher J., Steuerberater

          Kobachstraße 20                                 55743    Idar-Oberstein

Biehl und Fried, Steuerberater

          Otto-Decker-Str. 18                           55743    Idar-Oberstein

Cullmann GmbH, Getränke

          Saarstraße 37                                      55767    Rötsweiler

Edelstein - Apotheke

          Hauptstraße 62                                    55743    Kirschweiler

Effgen J. und Söhne

          Industriestraße 6                                  55743    Idar-Oberstein

Enck, Frieseursalon

          Bismarckstraße 25                               55743    Idar-Oberstein

Engel Apotheke

          Otto-Decker-Straße 4                         55743    Idar-Oberstein

Erbach, Bäckerei

          Layenstraße 55                                    55743    Idar-Oberstein

Franke & Fries Gmbh

          Grube Neue Haardt 1                          57076    Siegen

Fried, Otto

                                                                     55743    Idar-Oberstein

Giloy Herbert & Söhne

          Max-Planck-Straße 16                        55743    Idar-Oberstein


Hamscher Walter

          Krähenhübelstraße 12                          55743    Idar-Oberstein

Idema GmbH

          Hauptstraße 281a                                55743    Idar-Oberstein

Kirner Privatbrauerei Ph. & C. Andres

          Kallenfelser Straße 2 - 4                      55602    Kirn

Klein und Heppding, Ingenieurbüro

          Hauptstraße 182                                  55743    Idar-Oberstein

Kreissparkasse Birkenfeld

          Auf der Idar 2                                     55743    Idar-Oberstein

Leis Gmbh

          Tannenweg 15                                     54497    Morbach

Leyser W., Stukkateurbetrieb

          Burrech 5                                            55743    Idar-Oberstein

Leyser, Karl-Heinz

          Hauptstraße 37                                    55758    Kempfeld

Leysser F.A. Nachf.

          Otto-Decker-Straße 7                         55743    Idar-Oberstein

Loch und Kunz, Heizungsbau

          Fallbachstraße 46                                55743    Idar-Oberstein

Löh und Söhne, Edelsteine

          Goethestraße 55                                  55743    Idar-Oberstein

Maurer Carl Sohn, Schmuck

          Hoher Weg 10                                    55743    Idar-Oberstein

May, Peter

          Ortsstraße 23                                      55758    Wickenrodt

Meter, Peter

          Stallergarten 26                                   54426    Heidenburg

Oberstein-Idarer-Elektrizitäts AG

          Georg-Maus-Straße                            55743    Idar-Oberstein

Pohl und Ziemer, Steuerberater

          Hauptstraße 70                                    55743    Idar-Oberstein


Reit, Ingenieurbüro

          Alte Poststraße 20                               55743    Idar-Oberstein

Rheinelektra AG

          Kasinostraße 2                                    55743    Idar-Oberstein

Roemer, Waltraut                                                       

                                                                     55743    Idar-Oberstein

Ruppenthal H.G.  Steuerberater

          Tiefensteiner Straße 259                      55743    Idar-Oberstein

Schmeyer Kurt,

          Regulshausener Straße 17                    55743    Idar-Oberstein

Schmidt GmbH, Dachdeckerei

          Steingartenstraße 7                              55743    Idar-Oberstein

Schneider H.-J., Steuerberater

          Hasbachstraße 53                                55743    Idar-Oberstein

Schneider S., Stukkateur

          Auf dem Rain 16                                 55743    Idar-Oberstein

Schwarz A., Bauunternehmen

          Schopenhauerstraße 23                       55743    Idar-Oberstein

Segor GmbH & Co. KG

          Achtstraße 67                                      55765    Birkenfeld

Seibert  W., Sachverständiger

          Tiefensteiner Straße 160                      55743    Idar-Oberstein

Uebel, Bäckerei

          Tiefensteiner Straße 371                      55743    Idar-Oberstein

Weinz Günter

          Dorfwiesenstraße                                 55743    Kirschweiler

Weyand H., Bedachungen

          Am Graben 3                                      55758    Niederwörresb.

Wild A., Bestattungen

          Amtsstraße 16                                     55743    Idar-Oberstein

Wurster, Stephan

          Amselweg 3                                        55743    Kirschweiler

 



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